8. Oktober 2009

Prozess um Zerstörung gentechnisch veränderter Reben im Elsass

In einem aktuell im elssäsischen Colmar laufendem Prozess steht ein Biologe vor Gericht, der vor einem Monat 70 gentechnisch veränderte Reben zerstörte. Er wollte mit der Aktion die öffentliche Diskussion über die Risiken der Gentechnik anregen.

Dem landwirtschaftlichen Forschungsinstitut in Colmar ist allerdings wegen eines Formfehlers nachträglich die Genehmigung für den Freilandversuch aberkannt worden. So wird erwartet, dass der Aktivist mit einer milden Strafe davonkommt.

Das Forschungsprojekt galt dem Virus, der die Reisigkrankheit bei Reben verursacht. Naturschützer und Weinbauern, wie der Biowinzer Jean-Pierre Frick aus Pfaffenheim wandten sich gegen das Forschungsprojekt, da der Nutzen für die Winzer fraglich ist und die Risiken für die Umwelt unkalkulierbar seien.

via Badische Zeitung

4. Oktober 2009

Perfekter Herbst in Südbaden

Noch hängen reichlich Früchte an den Rebstöcken, aber in ein bis zwei Wochen wird die Hauptlese im Markgräflerland abgeschlossen sein. Laut Vorhersage bleibt es recht trocken im Südwesten, somit setzt sich das traumhafte Lesewetter fort.

Der Spätburgunder erfreut sich bester Gesundheit und kann bei entsprechend sauberer Vorarbeit absolute Spitzenqualitäten bringen, ebenso wie die Grau- und Weißburgunder. Beim Gutedel ist es das dritte sehr gute Jahr in Folge. Der Jahrgang 2009 hat reichlich Potential, ob er zur Legendenbildung taugt, bleibt abzuwarten. In ein paar Monaten wissen wir mehr…

2. Oktober 2009

Filmtipp: Es kommt der Tag

Eine untergetauchte Ex-Terroristin lebt mit neuem Namen und neuer Familie ein bürgerliches Leben als Winzerin im Elsass. Als ihre vor 30 Jahren im Stich gelassene Tochter sie ausfindig macht kommt es zu einem dramatischen Konflikt um Ideale, Schuld, Rache und Vergebung.

Als ich vor zwei Tagen in der Kulturzeit Ausschnitte aus dem Film sah, schien mir die Landschaft der Drehorte sehr vertraut. Kein Wunder, ist der Film doch im Elsass, im Markgräflerland, in Freiburg und am Kaiserstuhl gedreht worden. Da die Kritik die deutsch-französische Produktion mit Vorschusslorbeeren überhäuft, habe ich mir den Streifen gleich am gestrigen Kinostart angesehen.


Foto: Zorro Film / Filmpresse Meuser

Ort der Handlung ist ein Weingut im Elsass, in dieser Beziehung ist es dem Film sehr dienlich, dass auf gängige Klischees, insbesondere derer von romantischer Natur, gänzlich verzichtet wird. Hier lebt die ehemalige Terroristin Judith mit Mann und zwei jugendlichen Kindern ein arbeitsreiches wie bürgerliches Leben, aufgebaut aus Halbwahrheiten und mit der Angst, sich der Vergangenheit zu stellen. Bis zu dem Tag, als die verstoßene Tochter auf dem Hof erscheint und dieses Konstrukt brutal zum Einstürzen bringt…

Das großartige Ensemble, besonders die angenehm ungeschminkte Iris Berben und ihre Filmtochter Katharina Schüttler, überzeugt in diesem emotional extrem aufgeladenen Drama um Ideale, Schuld und Vergebung. Es kommt der Tag ist schwerer Stoff, hervorragend inszeniert, fotografiert und geschnitten. Auf mich wirkte das Werk von Regisseurin und Drehbuchautorin Susanne Schneider intensiv und teilweise sogar beklemmend, da es Berührungspunkte zu meiner eigenen Familiengeschichte gibt. Der Trailer zum Film kann hier abgerufen werden.

30. September 2009

Anonyme Köche - Das Buch zum Blog

Anonyme Köche als Buch, muss das wirklich sein? Diese Frage stellte ich mir sogleich, als ich erstmals in dem von mir hoch geschätzten Kochblog über dieses Projekt las. Jetzt halte ich das Werk in den Händen und kann mit Überzeugung ausrufen: Aber ja doch!

Oft genug sind Kochblogs nichts anderes als schnöde Rezeptsammlungen. Anonyme Köche gehen darüber meilenweit hinaus. Korrekt ausgedrückt der Anonyme Koch, denn nach dem Ausstieg der zwei Beiköche ist der vom guten Geschmack beseelte Claudio Del Principe seit geraumer Zeit Alleinkoch. Der Autor, Werbetexter und fast schon besessene Hobbykoch steht für geistreiche wie scharfsinnige Texte, im besten Sinne appetitanregende Fotos und essenzielle Rezepte italienischer Prägung, die ganz ohne Schnickschnack und Schischi auskommen.

Die Zutat ist der Star. Die Kunst des Anonymen Kochs ist es, Geschmack zu haben, ihn zu schulen, zu bewahren und mit handwerklichen Kniffen zur Vollendung zu bringen. Das alles ist im Buch locker und unterhaltsam aufbereitet und inspiriert zur Nachahmung. Küchenregaltauglich!

Ein verzeihlicher Wermutstropfen: Wein darf im Register nur für den Buchstaben W herhalten, sonst spielt er im Buch keine Rolle. Aber who knows, irgendwann gibt es das erste Weinblog als Buch, wetten?

29. September 2009

Die badischen Genossen trotzen der Krise

Badischer Wein und insbesondere der Schaumwein werden weiterhin gut nachgefragt. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr um 0,7 Prozent auf 256 Millionen Euro. Der Erlös je Liter badischen Weins erhöhte sich im Schnitt von 3,05 auf 3,10 Euro. Das durchschnittliche Einkommen der Winzer lag bei 10.300 Euro je Hektar.

In Oberbergen stellte Gerhard Roßwog, Präsident des baden-württembergischen Genossenschaftsverbandes, die die aktuellen Zahlen vor: “Die Wirtschaftskrise ist bislang spurlos an den badischen Winzergenossenschaften vorbeigegangen”. Die Betriebe, die mehr als 70 Prozent der badischen Weine vermarkten, konnten im jüngsten Geschäftsjahr 86,8 Millionen Liter Wein absetzen. Dies waren zwar 2,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, da die Erlöse jedoch leicht stiegen, konnte das leichte Umsatzplus verbucht werden.

Beim badischen Sekt und Perlwein sehen die Zahlen deutlich besser aus. 3,3 Millionen verkaufte Flaschen entsprechen einer Zunahme von 4,7 Prozent, der Umsatz legte hier immerhin um 5,2 Prozent auf 14,3 Millionen Euro zu.

Die Discounter und der klassische Lebensmittelhandel bleiben die mit Abstand wichtigsten Kunden für Badens Genossenschaften, jede fünfte Flasche ging über die Direktvermarktung an die Konsumenten. Dieser Vertriebsweg soll laut Roßwog weiter ausbaut werden, da hier die höchsten Preise zu erzielen sind.

via Badische Zeitung

29. September 2009

Wein von der Tankstelle: Ein Auslaufmodell

Das Thema der 27. Weinrallye ist Wein von der Tankstelle, vorgegeben von Rallye-Initiator Thomas Lippert vom Winzerblog. Das angekündigte nächtliche Alkoholverkaufsverbot macht dem Tankstellenwein in Baden-Württemberg allerdings bald den endgültigen Garaus.

Da mittlerweile jeder x-beliebige Supermarkt bis 22 Uhr die Pforten offen hält, ist Wein bei den meisten Tanken wohl schon jetzt kein großer Verkaufsschlager mehr. Ein Blick auf die verstaubten Flaschen im grellen Sonnenlicht spricht da Bände. Sicherheitshalber greife ich zu einem Rotwein in dunklem Glas. Die in Weissglas gefüllten Weissweine dürften unter diesen Bedingungen längst keinen Genuss mehr verbreiten. Das Sortiment in der Tankstelle meiner Wahl, die am südlichen Stadtrand von Freiburg liegt, ist sehr regional. Produkte von Winzergenossenschaften und Weingütern aus der Umgebung sind klar in der Überzahl. Ich greife jedoch zu einem typischen Tankstellenwein, dem 2008er Viala Sangiovese Puglia, 25 cl für 1,99 €.

Die Miniaturflasche des Markenweins, der in der Mainzer Kellerei Hechtsheim abgefüllt wurde, ist mit einem Drehverschluss ausgestattet und das Etikett kündet auf italienisch von “splendido colore rosso rubino, morbido aroma di frutto di bosco e amarena”. Schau mer mal!

Dreh, knacks, schütt, glucker. Rubinrote Farbe, okay! Schnüffel. Feuchtes Unterholz, Lakritz und Veilchen. Schlürf. Boah, ist der süß! Schluck. Beerenfrüchte? Fehlanzeige. Schlürf, schluck. Gerbstoff und Säure satt, der reichlich vorhandene Zucker fungiert als Puffer, der sein Mäntelchen über die eklatanten Schwächen des Weins deckt. Denk, grübel, ärger. Der Viala Sangiovese Puglia ist ein Pseudo-Italiener, kreiert in einer deutschen Weinkellerei für den mit überzuckerten Produkten abgestumpften Konsumenten. Umdreh, ausschütt, vergess!

28. September 2009

Die Lese im Markgräflerland kommt in Schwung

Seit heute herrscht reges Treiben in den Rebbergen und die Traktoren rollen in hoher Frequenz zur Traubenannahme. Das seit Wochen anhaltend sonnige und trockene Wetter beschert den Winzern heuer wieder wunderbar gesunde und reife Trauben. Auch erste Spätburgundertrauben landen jetzt in den Maischegärtanks.

Die weiterhin gute Wetterprognose, die kühle Nächte und sonnige Tage verheisst, lassen jetzt schon auf den dritten guten Jahrgang in Folge schließen. Wermutstropfen ist die bei einigen Sorten und Lagen niedrige Säure. Diese hat sich aufgrund des frühen Austriebs der Reben im Frühjahr und des durchgehend warmen, seit Anfang August sehr trockenen Sommers stark abgebaut. Aus diesem Grund gibt es erstmals seit dem Jahr 2003 in Baden-Württemberg wieder die Ausnahmegenehmigung, Weinsäure zuzusetzen. Dieses Verfahren ist allerdings umstritten.

21. September 2009

Jungwinzerin des Jahres ist…

…Franziska Schätzle vom Weingut Gregor & Thomas Schätzle aus Schelingen am Kaiserstuhl. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat diese Auszeichnung zum vierten Mal vergeben. Via Badische Zeitung.