Archiv für ‘Weinwissen’


Veröffentlicht am 31. August 2009

Schäumende Rettung für den Nobling

Von den 65 Hektar der in Deutschland mit Nobling bestockten Fläche sind ganze 63 Hektar in Baden zu finden, und diese wiederum fast ausschließlich im Markgräflerland. Die Anbaufläche ist jedoch in den letzten 15 Jahren dramatisch geschrumpft: um fast 50%.

Als Wein wird Nobling so gut wie gar nicht mehr ausgebaut, da sich die Vermarktung wie bei vielen Neuzüchtungen schwierig gestaltete und der Anbau intensive Handarbeit erfordert. Zur Rettung könnte beitragen, das die Rebsorte für die Versektung prädestiniert ist. Die feinfruchtigen bis nussigen Aromen und eine animierende Säure sind das Erbe der Eltern dieser Freiburger Neuzüchtung aus dem Jahr 1940, Gutedel und Silvaner. Sekt aus Noblingtrauben zählt bei einigen Weingütern und Winzergenossenschaften im Markgräflerland zu den allerfeinsten Erzeugnissen, wie der 2007er Nobling Brut der Winzergenossenschaft Hügelheim.

Der Grundwein für den Nobling Brut stammt vom Höllberg, einer steilen Einzellage der kleinen Weinbaugemeinde. Die WG zählt zu den kleinsten und in Sachen Qualität ambitioniertesten genossenschaftlichen Betrieben in Baden, rund 90 Winzer bewirtschaften eine Fläche von 75 Hektar. Jeweils ein Drittel der Anbaufläche ist mit Gutedel und Spätburgunder bestockt. Unter dem Sortenspektrum des verbliebenen Drittels befindet sich neben Grau- und Weißburgunder auch der Nobling.

Im Glas zeigt sich der klassisch in der Flasche vergorene Sekt leuchtend strohgelb und mit stürmisch schäumender Kohlensäure. Eine feinduftige Kernobstnase mit vanillig-nussigen Noten macht Appetit auf den ersten Schluck. In den Mund fließt der Nobling Brut mit sich schnell ausbreitender, opulenter Fruchtigkeit und fast schon cremiger Struktur. Lebendiger, langsam ausschwingender Nachhall. Die für einen Brut kräftige Dosage steht in schöner Balance zur geschliffenen Säure. Somit ist dieser Sekt kein Stoff für Liebhaber staubtrockener und superschlanker Schaumweine, sondern ein Fall für Fans ausladenderer Kurven. Mir kann beides gefallen, je nach Stimmung und Anlass. Es bleibt nur zu hoffen, das Nobling-Sekt dank solch feiner Qualitäten so viel Aufmerksamkeit bekommt, dass die Rebsorte nicht aus unseren Weinbergen verschwindet.

Ein weiterer Erzeuger herausragender Nobling-Sekte ist das Weingut Dörflinger in Müllheim. Weitere, von mir verkostete und empfohlene Weine der WG Hügelheim: Der erdig-beerige 2007er Spätburgunder Q.b.A im Holzfass gereift, ebenfalls vom Höllberg; der 2008er Gutedel Kabinett aus dem Schlossgarten, mit Aromen von reifen Äpfeln und Macadamianüssen.

Veröffentlicht am 24. August 2009

Eine kleine Brettgeschichte

Im besten Fall steigen Aromen von Teer, Leder und Rauch in die Nase, bei heftiger Ausprägung unangenehm animalische Noten - die Rede ist vom Einfluss der Brettanomyces-Hefe, die sich teils gewollt, teils ungewollt in den Poren älterer Holzfässer einnistet und dort Aromastoffe an den Wein abgibt. Winzer und Önologen sprechen vereinfachend von “Brett”.

An Brett scheiden sich die Weingeister. Für manche ein definitiver Weinfehler, andere dagegen sehen den Einfluss von Brett als Qualitätsmerkmal eines bestimmten Weinstils. Besonders in südfranzösischen Syrah-Weinen bin ich des öfteren auf Brett gestoßen und viele dieser Weine habe ich durchaus mit Genuss getrunken, da sich der dezente Einfluss des Hefepilzes gut in das Gesamtwerk integrierte. Meine Frau empfand diese Weine oft als untrinkbar.

Den Anlass für diesen Artikel gab ein Wein, den wir gestern Abend im Glas hatten. Der 2007er Le Mas der Domaine Clavel kommt in der Nase mit schwarzen Johannisbeeren, Leder und Kräuterbitter noch relativ angenehm daher. Ab dem ersten Schluck ändert sich dieser Eindruck allerdings grundlegend: Die Aromen mutieren zu einer schwer animalischen, an Kaninchenstall erinnernden Note, die sich im ganzen Maul ausbreitet und sich im Abgang sogar noch verstärkt. Diese Geschmacksdominanz zerstört jeden Ansatz von Eleganz im Wein und ruiniert sämtlichen Trinkspass - sogar bei mir.

Wer sein Wissen über die Brettanomyces-Hefe vertiefen möchte, kann es an dieser fachkundigen Stelle tun.

Veröffentlicht am 3. August 2009

Wie viel Wasser steckt im Wein?

Der WWF legte heute eine aktuelle Studie zum Wasserverbrauch vor. Danach ist der direkte Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland mit 124 Liter am Tag weiter zurückgegangen, was im Vergleich mit anderen Industrienationen ein niedriger Wert ist. Wird allerdings das zur Produktion der hierzulande konsumierten Lebensmitteln verbrauchte Wasser berücksichtigt, kommt nach den Experten des WWF jeder Bundesbürger auf die erstaunliche Menge von 5.288 Liter pro Tag. Besonders viel Wasser wird für die Erzeugung von Rinder- und Schweinefleisch oder Kaffee und Kakao verbraucht, teilweise kommen diese Güter aus Ländern, in denen regelmäßig Wasserknappheit herrscht.

Wie viel Wasser steckt im Wein? Darüber findet sich in der Studie keine Zahl. Ich erinnere mich, dass ich während meiner Ausbildung zum Winzer den Lehrmeister über den Wasserverbrauch im Keller befragte. Seine Aussage war, dass etwa 8 Liter Wasser für die Erzeugung von einem Liter Wein aufgewendet werden. Im Gegensatz zu verbrauchten 10.000 Litern Wasser für ein Kilo Rindfleisch scheint diese Zahl sehr gering - wenn sie denn stimmt, was ich allerdings sehr bezweifle. Bei einer schnellen Google-Recherche stoße ich auf die Zahl von 120 Litern pro Glas Wein. Diese Menge kommt mir wiederum zu hoch vor und wird vielleicht dadurch erreicht, dass die von den Pflanzen verbrauchte Regenmenge einberechnet wird. Berechnungsgrundlagen sind leider keine zu finden. Wer weiß genaueres?

Veröffentlicht am 15. September 2007

Der Kelch mit dem Elch hat den Wein gut und rein

“Der Pokal mit dem Portal” oder der “Becher mit dem Fächer”? Schon im 12. Jahrhundert war die Wahl des richtigen Trinkgefäßes von größter Wichtigkeit. Im zitierten Film Der Hofnarr von 1956 geht es allerdings für Danny Kaye um Leben und Tod, da der “Becher mit dem Fächer” die Giftpille enthielt, und der “Kelch mit dem Elch” den guten Wein. Mir geht es da mehr um die feinen geschmacklichen Nuancen bei der Wahl der richtigen Kelche.
Es ist tatsächlich so, dass ein und derselbe Wein aus unterschiedlichen Gläsern auch anders schmeckt. Ich kann nur empfehlen, diesen Test einmal zu machen. Es ist eine schöne sensorische Übung, die im größeren Kreis auch Spaß macht. Und die Wichtigkeit der Wahl des korrekten Glases wird durch die eigene Erfahrung ins Bewusstsein gerückt.

Glaeserkreis

Hier ein paar grundsätzliche Regeln zur Gläserwahl: Schlanke Weine brauchen auch ein eher schlankes Glas, kräftige Weine kommen in einem voluminöseren Kelch besser zur Geltung. Dünnwandige Gläser lassen die Weinaromen im Mund prinzipiell besser zur Entfaltung kommen.
Die Kohlensäure in Schaumweinen entbindet sich in bauchigen Gläsern oder besonders in Schalen viel zu schnell, so sind schlanke Kelche die eindeutig bessere Wahl. Junge und leichte Weissweine verlangen nach einem kleineren, sich nach oben hin schliessenden Kelch. Konzentrierte und im Barrique ausgebaute Weissweine kommen in einem bauchigen Glas wesentlich besser zur Geltung.
Für gerbstoffreiche und junge Rotweine eignen sich vor allem kleinere bis mittlere Rotweinkelche, die sich nach oben hin verjüngen. Die Aromen werden hier gebündelt, der Gerbstoff wirkt weicher. Schwere, gereifte Weine benötigen zur Entfaltung der Duftnoten grosse, bauchige Kelche. Ein schlanker Wein dagegen würde sich in einem solchen Glas einfach verlieren.
Fast noch wichtiger als die Form des Glases ist die Kontrolle der Gläser vor dem Gebrauch nach Spülmittel- oder Schrankgerüchen. Ich spüle meine Weingläser mit einem duftfreien Spülmittel und mit der Hand, so schließe ich Parfum- oder Reinigungsmittelnoten im Wein sicher aus.

Veröffentlicht am 13. Juli 2007

Der Stein im Wein

Beim Öffnen einer Flasche Sauvignon Blanc trocken, Jahrgang 2005, vom Pfälzer VDP-Betrieb Knipser aus Laumersheim fiel mir gestern Abend gleich ein Funkeln und Glitzern am “nassen” Ende des Naturkorkens ins Auge.

KnipserKorken

Weinstein! Und tatsächlich, am Flaschenboden entdeckte ich eine stattliche Ansammlung von Weinsteinkristallen. Im Fachjargon auch Kaliumhydrogentartrat genannt, ist der Weinstein eine Verbindung aus Kalium und Weinsäure, zwei von etwa 1000 natürlichen Inhaltsstoffen in Weintrauben. Weinstein ist kein Zeichen für die besondere Qualität eines Weins, spricht aber in der Regel für eher extraktreiche, spät gelesene Weine.
Da wohl mancher Weinkonsument an einen Weinfehler dachte beim Auftauchen der Kristalle im Glas ist Weinstein heutzutage nun fast schon vom Aussterben bedroht. Der Großteil des momentan auf dem Markt erhältlichen Weines wird vor der Abfüllung “weinsteinstabilisiert”, in der Regel durch Kältebehandlung und Zugabe von Kontaktweinstein. Mit dieser Methode wird die Weinsteinbildung gezielt angeregt und der Wein anschließend vorsichtig von den am Tankboden ausgefällten Kristallen abgezogen (Als wertvoller Grundstoff für Backtriebmittel wird der Weinstein aus Tanks und Fässern in größeren Weingütern und Kellereien gesammelt und verkauft). Eine weitere Möglichkeit ist der Zusatz von Meta-Weinsäure, die eine Bildung von Weinsteinkristallen verhindert. Die Wirkung ist allerdings auf 9-12 Monate begrenzt, aus diesem Grund wird diese Methode fast ausschließlich für schnell zu konsumierende, einfache Weine eingesetzt.

Weinsteinnah1
Im Rotwein sicher nicht ganz so hübsch, aber auch dort kein Fehler

Für mich gehört Weinstein zum natürlichen Charakterbild eines Weins, somit schätze ich auch den Anblick der Kristalle in der Flasche sehr.
Die Verkostungsnotiz zum Sauvignon Blanc darf hier auch nicht fehlen: Helles Strohgelb im Glas, in der Nase dezente Anklänge von Kiwi und Papaya. Sehr breit im Mund mit schöner Länge, Aromatik von reifer Mango mit leichter Fruchtsüße, knackige Säure. Auch ein Kandidat für die warmen Tage. Der Laumersheimer ist mit 12,5% Alkoholvolumen zwar kein Leichtgewicht, wirkt aber in der Gesamtkomposition sehr erfrischend.

Veröffentlicht am 5. Juli 2007

Kleiner Stinker

Trichloranisol ist eine Substanz, die mir momentan wahrlich zu oft begegnet. Gestern abend war es wieder soweit, gleich nach dem Entkorken einer Flasche Zweigelt vom burgenländischen Weingut Gernot Heinrich brachte schon das Schnuppern am Verschluß aus Eichenrinde die Gewißheit. Und wieder rinnt ein ehemals kostbarer Wein den Abguß hinunter.

Stinker
Corpus Delicti

Nicht nur jung zu trinkende Weine kaufe ich jetzt verstärkt mit Drehverschluß oder anderen Alternativstopfen. Vorreiter wie das Weingut Tesch von der Nahe, die schon komplett auf Longcap-Drehverschluß umgestiegen sind werden in Zukunft meine bevorzugten Haus- und Hoflieferanten. Die Website von Dr. Martin Tesch ist auch ein prima Beispiel wie durch eine stilvoll designte Aufmachung und nur wenige Worte ein klares Profil mit deutlicher Botschaft transportiert werden kann. Und die Weine gehören zur Spitze der Region. Vor ein paar Tagen erst verkostete ich den 2005-er Deep Blue, einen weiß gekelterten Spätburgunder, zu einem Risotto mit Erbsen und Lachs. Ein extraktreicher Wein mit harmonischer Säure, feinem Aromenspiel und sehr schöner Länge. Zum Risotto die perfekte Wahl. Erstanden habe ich die Flasche (12€) in der auf edle deutsche Tropfen spezialisierten Weinhandlung Retter´s Weinschmecker auf einem Heimatbesuch in München.