Archiv für ‘Weinverkostung’


Veröffentlicht am 28. Juli 2009

Verkostet: Der 2008er Baden Roséwein Edition Fritz Keller von Aldi Süd

Nach dem Weißburgunder und dem Spätburgunder ist der 2008er Rosé der dritte Wein der Edition Fritz Keller bei Aldi Süd. An dieser Stelle berichtete ich schon ausführlicher über das Projekt.

Für den 2008er Baden Roséwein Edition Fritz Keller berappt der Kunde an der Kasse des Discounters knapp sechs Euro pro Bouteille. Im Gegensatz zum Spät- und Weißburgunder ist der aus Spätburgunder gekelterte Roséwein in Weißglas gefüllt, hier spielt die Farbe wohl eine wichtige Rolle für den Kaufimpuls. Da die Flaschen sicher nicht länger im grellen Neonlicht stehen und jeder gut informierte Weinfan weiß, dass derart ausgestattete Weine unbedingt dunkel gelagert werden müssen, sollte dieser Umstand kein Problem darstellen.

Meine Verkostungsnotiz: Der Rosé zeigt sich mit ansprechender Farbe und Klarheit im Glas, bei deutlich sichtbarer Präsenz von Kohlensäure. In der Nase herrscht vornehme Zurückhaltung. Beim ersten Schluck fällt die präsente Säure auf, die Frucht ist eher hintergründig. Dezente Himbeernote, etwas Mandel und Drops. Ganz ordentliche Länge, kaum wahrnehmbarer Restzucker. Insgesamt besitzt der 2008er Baden Roséwein Edition Fritz Keller einen unkomplizierten, frischen Charakter. Der Wein ist sauber gemacht, aber eher von einfacher Struktur. Zu luftgetrockneter Salami und Schinken, Tapas oder mediterranen Vorspeisen ein denkbarer Kandidat.

Mein Favorit der Edition Fritz Keller bleibt der 2007er Spätburgunder, der bei Aldi Süd ebenfalls noch käuflich zu erwerben ist.

Veröffentlicht am 17. Juli 2009

Im Weinhimmel mit der Hochheimer Hölle

Der Riesling-Preis 2009 des Magazins WEINWELT ging in der Kategorie “Best-buy-Riesling des Jahres” an das Weingut Heinrich Baison in Hochheim. Ich berichtete hier im Blog. Aufgrund erschöpfter Vorräte an “Alltagsriesling” bestellte ich mir ein paar Flaschen, um dem Urteil der Jury auf den Zahn zu fühlen - eine wahrlich gute Tat.

Der 2008 Riesling Kabinett Hochheimer Hölle trocken ist ein fulminant gut gelungener Wein. Im Glas sattes Strohgelb, Nase und Mund sind sofort okkupiert vom Aroma saftig-reifer, gelbfleischiger Früchte. Mit grandioser Länge, der pure Trinkspaß. Klar, sauber, makellos. Die 90 Punkte, die von der Jury vergeben wurden, sind absolut keine Übertreibung. Die knackige Säure zähmt die opulente Fruchtigkeit und verlangt unbedingt nach einem adäquatem Essen. Ich versuche es mit einem würzigen Cous Cous inklusive Gemüse, Minze und Bio-Huhn.

Dazu verarbeite ich Zucchini, Tomaten, rote Spitzpaprikaschoten, Knoblauch, und frische Pfefferminze in einer Pfanne unter milder Hitze zu einem schönen Schmorgemüse. Dieses würze ich mit Harissa ordentlich nach und serviere mit dem gedämpften Cous Cous. Die Hühnerbeine kommen erst nach kräftig vollzogener Maillard-Reaktion auf den Teller. Die Kombination mit dem Riesling ist perfekt, Samba für Geschmacks- und Geruchssinn. Meine Sorge, dass die Minze nicht mit der Hochheimer Hölle harmoniert, zerstreut sich sofort - ein himmlisches Mahl an einem lauen Sommerabend.

Veröffentlicht am 18. Mai 2009

Weinrallye #23: Wein von der Winzerin

Das Thema Winzerinnen-Wein wurde von Iris vorgegeben, die einen ebensolchen im Weingut Lisson produziert. Meine in jüngerer Zeit etwas regionalere Ausrichtung ist sogar schon im fernen Osten registriert worden, so werde ich heute meinem neuen Ruf mehr als gerecht und bleibe für diese Weinrallye einfach mal im Dorf.

Denn hier ist seit 365 Jahren das Weinhaus Stork beheimatet, dass sich vor kurzem noch Weingut Stork nannte. Der Grund für den neuen Namen ist, dass der von Roswitha und Regina Stork geführte Betrieb seit 2008 die Weine im Keller des Weinguts Zotz ausbauen lässt. Die finanziellen Mittel für einen nötigen Neubau des eigenen Kellers samt Technik sind derzeit einfach nicht zu stemmen.

Momentan bewirtschaftet die gelernte Weinbautechnikerin Regina Stork 4,5 Hektar Reben am Batzenberg und im Biengener Maltesergarten, ihre Mutter Roswitha kümmert sich um Haus und Hof. Regina engagiert sich zusätzlich für die Nachwuchskräfte im Weinbau: In der Freiburger Berufsschule und ihren Reben erteilt sie als Nebenlehrerin fachpraktischen Unterricht für zukünftige Winzer und Winzerinnen und bildet Lehrlinge im eigenen Betrieb aus.


In diesem Wein steckt reichlich Frauenpower

Obwohl wir nun schon seit drei Jahren im selben Dorf wohnen, probierte ich bislang noch keinen Wein von den Storks. Womit also beginnen? Regina empfahl mir bei meinem Besuch im Weingut heute Nachmittag einen Gutedel und einen Weißburgunder, jeweils aus dem Jahr 2008. Na klar, Gutedel ist die Basis eines jeden Betriebs im Markgräflerland!

Der 2008er Schallstadter Gutedel trocken vom Batzenberg (3,90 € ab Hof) belegte in der großen Konkurrenz beim diesjährigen Gutedel Cup in der Kategorie QbA den 8. Platz. Er ist mit einem Longcap-Drehverschluss versehen und enthält laut Etikett 11,5 % Alkoholvolumen. Meine Verkostungsnotiz: In der Nase Apfel, Gartenkräuter und Eisbonbon. Eine knackige Säure, die beinahe Riesling-Niveau erreicht. Würziger und einfacher Charakter. Kein Gutedel zum solo sürpfeln, sondern ein Wein, der nach einem zünftigen Elsässer Wurstsalat oder deftiger Burewurst mit Brägele schreit.

Ist Frauenpower nun schmeckbar? Dass sicher nicht, aber sie ist immerhin erfahrbar - bei einem persönlichen Besuch vor Ort.

Veröffentlicht am 7. Mai 2009

Lemberger, willkommen im Südwesten!

Lemberger ist in Württemberg ein fester Bestandteil der Weinkultur, als Blaufränkisch ist er in Österreich ebenso wenig wegzudenken. Jetzt hält die Rebsorte mit dem 2008er Lemberger “RL” vom Weingut Ruser erstmals Einzug im südbadischen Weinbaubereich Markgräflerland.

Ganze 18 Ar Weinberg, das entspricht etwa 1.100 Rebstöcken, sind jetzt im südwestlichsten Zipfel Deutschlands mit Lemberger bestockt. Die Anpflanzung weiterer 14 Ar Reben sind schon in Planung. Laut Winzer Karlheinz Ruser sind die klimatischen und geologischen Bedingungen für den südbadischen Lemberger “besser als in Württemberg”. Er stellte gestern Abend in Tüllingen das erste weingewordene Ergebnis seiner Bemühungen vor. Die Initialen R und L auf dem Künstleretikett von Romain Finke stehen für Ruser und Lauber. Der Ernährungspublizist Hans Lauber gab den Anstoß zum Lemberger-Experiment und begleitete die Arbeiten in Weinberg und Keller. Gerade mal 150 Flaschen konnten aus den Früchten der Reben im zweiten Standjahr erzeugt werden.

In der Regel sind frühestens ab dem dritten Standjahr von Rebanlagen eigenständige Weine machbar. So überraschte mich der Youngster bei der Verkostung positiv: In der Nase Veilchenduft, mit fruchtig-leichtem Körper, angenehmer Säure, feiner Süffigkeit und gar ordentlichem Abgang. Mit moderaten 11 % Alkoholvolumen ist der absolut trocken durchgegorene Lemberger ein Kandidat für den gemütlichen Tagesausklang an Sommertagen. Welcome in Baden, high potential!

Zu Rusers Betriebsphilosophie gehören konsequent durchgegorene und möglichst naturbelassene Weinen, die Anreicherung mit Zucker wird seit vielen Jahren nicht mehr praktiziert. Die schonende Behandlung im Keller “ohne wenn und aber” zeigt sich im Vorhandensein von Gärungskohlensäure in den jungen Weinen. Mich konnten am gestrigen Abend außer dem Lemberger vor allem der knackig-saftige 2008er Weißburgunder Kabinett und der elegante, feingliedrige 2007er Spätburgunder Kabinett überzeugen. Unkomplizierte, handwerklich perfekte Weine, die man jeden Tag auf dem Tisch haben möchte.

Das Weingut gehört auch zum Kreis der neun Weingüter, die den Markenwein Grüner Markgräfler vinifizieren. Der 2008er ist mit null Gramm Restzucker der trockenste der neun verschiedenen Grünen Markgräfler. Das quirlige Leichtgewicht präsentiert sich in puncto Frucht und Säure wunderbar ausbalanciert und mit dezenter Quittennote. In diesen Wein muss man konzentriert hinein schmecken, um sich die sehr feinen Nuancen zu erschließen - dann macht er von Schluck zu Schluck mehr Spaß.

Veröffentlicht am 30. April 2009

Spargel & Wein (3): Der 2008er Weißburgunder vom Hofgut Consequence

Für den dritten Teil von Spargel & Wein kochte ich eine eher unkonventionelle Spargelsuppe. Der 2008er Weißburgunder vom Hofgut Consequence passte dazu wie die Faust auf´s Auge - und das ist noch maßlos untertreiben ausgedrückt.

Eine gute Spargelsuppe braucht gute Zutaten. Wer glaubt, mit minderwertigem Spargel oder gar aus Schälresten eine feine Suppe produzieren zu können, soll mit dem höchstwahrscheinlich bitteren Ergebnis glücklich sein. Ich kaufe bei meiner Bäuerin für 3,50 € ein Kilo Bruchspargel in 1a-Qualität, der nur ein paar Stunden zuvor frisch gestochen wurde. Krumme Hunde, saftig und hoch aromatisch.

Die geschälten Stangen werden erstmal geköpft. Zusammen mit 3 großen Kartoffeln, die entsprechend der Gardauer des Spargels klein geschnitten werden, koche ich die verbliebenen Rümpfe in Salzwasser weich. Mit dem Pürierstab wird das ganze nun zu einer sämigen Suppe verarbeitet. Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt: Salz, Pfeffer aus der Mühle, ein Schluck Weißwein, süße Sahne, ein Hauch von Muskat und ein Teelöffel Bärlauchpesto geben der Spargelsuppe die nötige Würze. Vorsicht bei den beiden letztgenannten Zutaten! Nur eine Spur zu viel killt das feine Spargelaroma. Die Spargelspitzen habe ich parallel in Sonnenblumenöl knusprig braun gebraten - die sind der ultimative Kick in der Suppe.

Zeit für ein Glas Wein. Hinter dem Hofgut Consequence steht das sympathische Winzerpaar Manfred und Eva-Maria Schmidt, die seit 1995 ökologischen Weinbau in Bischoffingen am Kaiserstuhl betreiben. Die Weine der Schmidts probiere ich seit fünf Jahren regelmäßig, mit akribischer Arbeit im Weinberg und im Keller bringen sie geradlinige und blitzsaubere Weine in die Flaschen, die mir gerade wegen ihrer schnörkellosen Klarheit gefallen.

Der 2008er Weißburgunder begleitet das Süpple auf´s Feinste. Beim Hineinriechen ins Glas springt mich die pure Frische an. Pink Grapefruit, Zitrone und Bierhefe kommen mir in den Sinn. Der Wein wird getragen von der knackigen Säure, die mit dem süßen Charakter der Spargelsuppe wunderbar spielt. Die feingliedrige Frucht zeigt ihre Stärke im langen Ausklang, der Tanz der Aromen dieser Kombination macht einfach nur Spaß.

Veröffentlicht am 27. April 2009

Spargel & Wein (2): Der 2007er Gutedel Weiler Schlipf vom Weingut Schneider

Für den zweiten Spargelweintest kochte ich Spargel-Carbonara. Der intuitive Griff zum 2007er Gutedel Weiler Schlipf vom Weingut Schneider stellte sich als prima Wahl zu diesem Gericht heraus.

Über das Rezept für die Spargel-Carbonara habe ich mich im letzten Frühjahr schon ausgelassen. Eine Ausbaustufe ist allerdings, dass ich den Spargel nun zusammen mit den Nudeln (Linguine sono perfetti!) kochte. So nehmen die Pasta während des Garvorgangs schon Spargelaromen auf und machen die Carbonara zum herrlich intensiven Geschmacksereignis.

Das Weingut von Susanne und Klaus Schneider in Weil am Rhein steht für durchgegorene Weine, die viel Reifezeit im Keller bekommen - soviel Zeit, die für vielschichtige Weine mit hohem Genussfaktor nötig ist. Der 2007er Gutedel Weiler Schlipf ist vornehm zurückhaltend in der Nase. Ich erschnuppere eine sehr feine Walnussnote, Sauerampfer und grünen Paprika, beim ersten Schluck bestätigt sich dieser Eindruck. Der 2007er Gutedel Weiler Schlipf hebt sich klar von den in Mode gekommenen, kaltvergorenen Apfel-Bananen-Fruchtbombern ab (die ich allerdings zu passendem Anlass ebenfalls schätze).

In der Vereinigung mit dem Spargel zeigt sich der 2007er Gutedel Weiler Schlipf als genialer Gegenpart. Die milde Säure und die Aromen des Weins harmonieren wunderfein mit dem Spargel und der süßlich-käsigen Carbonara. Die Flasche leerte sich zügig und konsequent, selbst der letzte Schluck machte Appetit auf mehr. Kann es ein höheres Lob geben?

Veröffentlicht am 24. April 2009

Grüner Markgräfler Nr.3: Weingut Schneider

Meine Verkostungsnotiz zum 2008er Grüner Markgräfler vom Weingut Schneider: Mit deutlich weniger Kohlensäure und säurebetonter als die schon verkosteten Flaschen anderer Weingüter. Stachelbeere und Limone in der Nase, sehr fruchtbetont bei satter Länge. Erfrischender, jugendlich ungestümer Charakter. Blind verkostet hätte ich wohl nicht auf einen Gutedel getippt.

Veröffentlicht am 23. April 2009

Spargel & Wein (1): Der 2007er Auxerrois Kabinett vom Weingut Bernhard Huber

Gestern erwarb ich bei “meiner” Bäuerin im Dorf den ersten Spargel des Jahres. Erstklassiger Asparagus officinalis für 6,50 € das Kilo. Die Preise geben momentan aufgrund hoher Erntemengen stark nach, vor zehn Tagen war noch das doppelte für die gleiche Menge zu berappen. Auch das haben wir dem Turbo-Frühling zu verdanken.

Zur Eröffnung meiner persönlichen Spargel-Saison habe ich die feinen Stangen am Abend geschält und schlicht gekocht. Als Beilage landeten Öko-Kartoffeln der Sorte Nicola auf dem Tisch, ebenfalls gekocht und anschließend in Butter gebräunt. Die Sauce bereitete ich aus Bärlauchpesto, das mit heißem Wasser erwärmt und verflüssigt wird. Das ist eine bewährte Kombination, die ich sehr gerne mag.

Als denkbar passenden Wein wählte ich den 2007er Auxerrois Kabinett trocken vom Weingut Bernhard Huber. Der badische VDP-Mitgliedsbetrieb zählt zu den besten Adressen in Deutschland. Und das nicht nur aufgrund der von der Fachwelt gerühmten Spätburgunder. Im Spätherbst gefiel mir der frisch gefüllte Auxerrois bei einem Besuch im mondänen Malterdinger Weingut so gut, dass ich einige Flaschen mit nach Hause nahm - für einen stolzen Preises von 10,50 € pro Flasche (Kabinett!).

Eines halbes Jahr später kann ich nur sagen: Es hat sich gelohnt! Im Glas zeigt sich der Auxerrois hellgelb mit bronzenem Schimmer, in der Nase Rhabarber, exotische Trockenfrüchte, ein bisserl Lakritz und Majoran. Ungemein dicht, süßer Extrakt, pure Eleganz, tolle Länge. Es ist von nichts zu wenig oder zu viel in diesem Wein - einfach ein perfekt gemachter Kabinett. Dazu zeigt sich der Wein in der Kombination zum Spargel als optimaler Partner. Ein Saisonauftakt nach Maß.