Archiv für ‘Weinverkostung’


Veröffentlicht am 29. September 2009

Wein von der Tankstelle: Ein Auslaufmodell

Das Thema der 27. Weinrallye ist Wein von der Tankstelle, vorgegeben von Rallye-Initiator Thomas Lippert vom Winzerblog. Das angekündigte nächtliche Alkoholverkaufsverbot macht dem Tankstellenwein in Baden-Württemberg allerdings bald den endgültigen Garaus.

Da mittlerweile jeder x-beliebige Supermarkt bis 22 Uhr die Pforten offen hält, ist Wein bei den meisten Tanken wohl schon jetzt kein großer Verkaufsschlager mehr. Ein Blick auf die verstaubten Flaschen im grellen Sonnenlicht spricht da Bände. Sicherheitshalber greife ich zu einem Rotwein in dunklem Glas. Die in Weissglas gefüllten Weissweine dürften unter diesen Bedingungen längst keinen Genuss mehr verbreiten. Das Sortiment in der Tankstelle meiner Wahl, die am südlichen Stadtrand von Freiburg liegt, ist sehr regional. Produkte von Winzergenossenschaften und Weingütern aus der Umgebung sind klar in der Überzahl. Ich greife jedoch zu einem typischen Tankstellenwein, dem 2008er Viala Sangiovese Puglia, 25 cl für 1,99 €.

Die Miniaturflasche des Markenweins, der in der Mainzer Kellerei Hechtsheim abgefüllt wurde, ist mit einem Drehverschluss ausgestattet und das Etikett kündet auf italienisch von “splendido colore rosso rubino, morbido aroma di frutto di bosco e amarena”. Schau mer mal!

Dreh, knacks, schütt, glucker. Rubinrote Farbe, okay! Schnüffel. Feuchtes Unterholz, Lakritz und Veilchen. Schlürf. Boah, ist der süß! Schluck. Beerenfrüchte? Fehlanzeige. Schlürf, schluck. Gerbstoff und Säure satt, der reichlich vorhandene Zucker fungiert als Puffer, der sein Mäntelchen über die eklatanten Schwächen des Weins deckt. Denk, grübel, ärger. Der Viala Sangiovese Puglia ist ein Pseudo-Italiener, kreiert in einer deutschen Weinkellerei für den mit überzuckerten Produkten abgestumpften Konsumenten. Umdreh, ausschütt, vergess!

Veröffentlicht am 21. September 2009

Mit Kürbis und Gewürztraminer in den Herbst

Zur Herbstzeit mit all ihren Düften und den vielseitigen kulinarischen und optischen Reizen gehören bei mir regelmäßig Kürbisse auf den Tisch und Gewürztraminer ins Glas. Ein indisches Chicken-Tandoori mit Butternut Kürbis und Rosinenreis begleitete ich am Wochenende mit einer trockenen 2008er Gewürztraminer Spätlese aus dem Durbacher Bienengarten vom Weingut Andreas Männle.

Ich oute mich immer wieder mal gerne als großer Fan von Weinen aus den Aromarebsorten Muskateller- und Gewürztraminer, die ich oft mit asiatischen Speisen kombiniere. Meist werden Erzeugnisse aus diesen Rebsorten mit viel Restsüße abgefüllt. Dabei ist es für die Balance wichtig, dass die Säure des Weins immer ein ausreichendes Gegengewicht zum Zuckergehalt bietet. Die Gewürztraminer Spätlese vom Weingut Andreas Männle ist allerdings absolut trocken ausgebaut und verlangt nach einer Speise, die ebenfalls nur dezent süß sein sollte.

Der goldgelbe Wein duftet in der Nase nach Noten von Litschis, Ananas und Wildrosenblüte. Im Mund präsentiert er sich sehr kraftvoll und mineralisch, mit Frische, Biss und enormer Substanz. Trotz seiner 13,5 % Alkoholvolumen nicht zu wuchtig, sondern delikat und ausgewogen. Feinwürzig im Nachhall mittlerer Länge. Ich überlege doch tatsächlich einen Moment, ob mir nicht etwas Süße fehlt… aber nein, dieser Gewürztraminer durchbricht einfach nur die Geschmackserwartung und ist somit der Gegenentwurf zu den vielen Zuckerbomben. Mehr davon!

Das Zusammenspiel mit dem Tandoori ist die perfekte Multi-Kulti-Küche und reiner Geschmacksknospen-Kamasutra. Mit der milden Schärfe und den üppigen Aromen kommt der Gewürztraminer locker klar. Die süß-saure Note des Tandoori und der nicht nur vom Namen her buttrige Kürbis bilden eine Traumkombination mit dem Gewürztraminer.

Meine Verkostungsnotizen zu weiteren Weinen vom Weingut Andreas Männle:

2007er Riesling Kabinett trocken - Dezente Nase mit Kiwi, Birne und Marzipan. Blitzsauber und konsequent trocken ausgebaut. Zeigt Biss, Eleganz, Tiefe und Mineralität. Sehr schöne Länge. Ein Kabinett par excellence!

2007er Spätburgunder Rosé - In der Nase Wassermelone, Granatapfel und Eisbonbon, feinfruchtig mit kräftiger Säure. Schlanker, frischer Charakter. Sauber gemacht, etwas kurz mit wenig Tiefe.

Veröffentlicht am 15. September 2009

Frankophil mit Pinot Noir und Coq au Vin

Wenn einige badische Winzer ihren Spätburgunder auf seinen französischen Namen Pinot Noir taufen, handelt es sich in der Regel um eine besonders kostbare Essenz aus dem Keller des jeweiligen Weinguts. So auch beim Pinot Noir vom Weingut Schneider aus Weil, dem ich ein Coq au Vin zur Seite stellte.

Die Weine von Susanne und Claus Schneider vom gleichnamigen Weingut in Weil am Rhein sind konsequent durchgegoren und gelangen erst nach einer für heutige Verhältnisse sehr ausgedehnten Reifezeit in den Verkauf. Das Ergebnis sind langlebige Weine abseits der gängigen Mode, immer früher abzufüllen. Den Gutedel der Schneiders habe ich bereits vor einigen Monaten an anderer Stelle gewürdigt.

Die Trauben für den 2005er Pinot Noir aus der nach Süden steil abfallenden Lage Weiler Schlipf stammen von 30-jährigen Spätburgunderreben. Deren Ertrag wurde mit 40 Litern pro Ar stark reduziert. Nach 4 Tagen Kaltmazeration kam die Gärung der handgelesenen und sorgfältig selektierten Trauben aufgrund natürlicher Hefestämme aus dem Weinberg spontan in Gang. 21 Tage dauerte die folgende Maischegärung, für ganze 24 Monate verschwand der Jungwein in kleinen Eichenholzfässern: Etwas mehr als ein Drittel davon in neuen, die verbliebene Menge in Zweit- und Drittbelegung gebrauchter Barriques. Die Flaschenfüllung erfolgte ohne vorherige Filtration.

Der 2005er Pinot Noir vom Weiler Schlipf kommt mit ordentlich Power daher. In schwarzen Tee eingelegte Rosinen (bei mir beliebt im Hühnchen-Curry), Kakao, Waldboden und Leder sind die Noten, die sich via gustatorischer, trigeminaler und olfaktorischer Wahrnehmung in meinem Gehirn zusammenbrauen. Das Holz ist perfekt eingebunden, soll heißen: keine Barrique-Aromen, die sich plump in den Vordergrund drängeln. Das kräftige Gerbstoffgerüst lässt den Pinot Noir noch jugendlich und verschlossen wirken. Erst nach stundenlanger Belüftung entfaltetet sich die Frucht und volle Eleganz des Spätburgunders. Reifepotential für die Zukunft ist somit vorhanden. Eine echte Gaumenfreude ist der Pinot noir schon in der Gegenwart. Zum Wein auf dem Tisch: Ein Coq au vin in der roten Version, vom Elsässer Poulet Label Rouge.

Ehemals unter blauem Himmel freilaufendes Federvieh, mit viel Zeit groß gezogen, rein vegetarisch ernährt. Die Nachbarn jenseits des Rheins verstehen etwas von Geflügelzucht. Es reicht der Blick in die Kühltheke. Wer weiß in Aldiland eigentlich noch um die Existenz der Perlhühner, Wachteln und Konsorten? Ein Kapaun aus der Bresse muss es ja nicht unbedingt sein.

Oh graus, denk ich an arme, mit Power-Protein-Futter gemästete Hähnchen, die eingepfercht in Fabrikhallen, ein viel zu kurzes Leben fristen. Diese High-speed-agrar-tech-Kreaturen landen als schnöde Gummiadler viel zu oft auf deutschen Tellern…

… jetzt aber schnell wieder zu den genussvollen Seiten des Lebens. Im Schmortopf vereinigen sich, nachdem das Poulet stückweise angebraten ist: Frischer Rosmarin, Thymian, Chili, Pfeffer, Kakaopulver, eine Bouteille Spätburgunder, deren Verlust nicht ganz so schmerzt. Gewürfelte Karotten, Sellerie, Champignons, zehenweise Knoblauch, ein ganzer Haufen Schalotten und ein tüchtiger Schuss Marc vom Burgunder. Im Ofen schmurgelt das leise und bei moderater Temperatur eine Stunde vor sich hin. Viola, ein frankophiles Nachtmahl begleitet den Pinot Noir par excellence!

Veröffentlicht am 9. September 2009

Gutedel mal richtig edel: Aigle les Murailles

Chasselas wird der Gutedel in der Schweiz genannt und ist dort wie im Markgräflerland die meist angebaute Weissweinrebe. Auf über 5000 Hektar werden einfache Tafelweine und manche hochfeine Grand Cru erzeugt, wie etwa im Dézaley am Genfer See oder rund um Aigle im Kanton Waadt.

Die Trauben für den 2008er Aigle les Murailles vom Weingut Henri Badoux stammen von Reben aus terrassierten Hanglagen rund um Aigle, die in Höhen zwischen 415 und 658 Metern wachsen. Der Boden ist hier von Kieseln und Schiefer durchsetzt. Der Ausbau erfolgt im Stahltank und die Malolaktische Gärung ist vollzogen. Das ist in der Schweiz beim Chasselas absolut üblich, ganz im Gegensatz zur kellertechnischen Behandlung des Gutedels im Markgräflerland.

Zur Verkostung: Aus dem Glas steigen florale Noten, etwas abgeriebene Zitronenschale, Netzmelone, Birne und Banane empor. Im Mund ist der 2008er Aigle les Murailles ungemein schmelzig und rund. Mineralischer und dichter Körper, mit delikater Fruchtsüße, ausgewogen und sehr elegant, mit enormer Länge für einen Casselas/Gutedel! Macht nach dem zweiten Glas noch nicht satt und bereitet so anhaltend genussvolle Trinkfreude.

Randbemerkung: Neben den verlässlich hohen Qualitäten trug in der Vergangenheit das ansprechende Etikett sicher einiges zur Beliebtheit des “Eidächsli Wy” bei den Eidgenossen bei. So ist der Erfolg des Aigle les Murailles für mich ein Beispiel für cleveres Marketing und das spiegelt sich in den erzielten Handelspreisen wieder. Mit rund 20.- CHF, also umgerechnet etwa 13.- €, liegt der Preis um 100% höher als bei absolutem Top-Gutedel aus dem Markgräflerland. Das liegt zum einen natürlich an den höheren Produktionskosten in der Schweiz, zum anderen aber sicher auch daran, dass Chasselas dort nicht nur als leichter Zechwein bekannt ist. Das selbst ein Gutedel hochfeiner Wein sein kann und dann Speisen wie Meeresfrüchte oder Süßwasserfisch bestens begleitet, spricht sich hierzulande leider nur langsam herum.

Veröffentlicht am 31. August 2009

Schäumende Rettung für den Nobling

Von den 65 Hektar der in Deutschland mit Nobling bestockten Fläche sind ganze 63 Hektar in Baden zu finden, und diese wiederum fast ausschließlich im Markgräflerland. Die Anbaufläche ist jedoch in den letzten 15 Jahren dramatisch geschrumpft: um fast 50%.

Als Wein wird Nobling so gut wie gar nicht mehr ausgebaut, da sich die Vermarktung wie bei vielen Neuzüchtungen schwierig gestaltete und der Anbau intensive Handarbeit erfordert. Zur Rettung könnte beitragen, das die Rebsorte für die Versektung prädestiniert ist. Die feinfruchtigen bis nussigen Aromen und eine animierende Säure sind das Erbe der Eltern dieser Freiburger Neuzüchtung aus dem Jahr 1940, Gutedel und Silvaner. Sekt aus Noblingtrauben zählt bei einigen Weingütern und Winzergenossenschaften im Markgräflerland zu den allerfeinsten Erzeugnissen, wie der 2007er Nobling Brut der Winzergenossenschaft Hügelheim.

Der Grundwein für den Nobling Brut stammt vom Höllberg, einer steilen Einzellage der kleinen Weinbaugemeinde. Die WG zählt zu den kleinsten und in Sachen Qualität ambitioniertesten genossenschaftlichen Betrieben in Baden, rund 90 Winzer bewirtschaften eine Fläche von 75 Hektar. Jeweils ein Drittel der Anbaufläche ist mit Gutedel und Spätburgunder bestockt. Unter dem Sortenspektrum des verbliebenen Drittels befindet sich neben Grau- und Weißburgunder auch der Nobling.

Im Glas zeigt sich der klassisch in der Flasche vergorene Sekt leuchtend strohgelb und mit stürmisch schäumender Kohlensäure. Eine feinduftige Kernobstnase mit vanillig-nussigen Noten macht Appetit auf den ersten Schluck. In den Mund fließt der Nobling Brut mit sich schnell ausbreitender, opulenter Fruchtigkeit und fast schon cremiger Struktur. Lebendiger, langsam ausschwingender Nachhall. Die für einen Brut kräftige Dosage steht in schöner Balance zur geschliffenen Säure. Somit ist dieser Sekt kein Stoff für Liebhaber staubtrockener und superschlanker Schaumweine, sondern ein Fall für Fans ausladenderer Kurven. Mir kann beides gefallen, je nach Stimmung und Anlass. Es bleibt nur zu hoffen, das Nobling-Sekt dank solch feiner Qualitäten so viel Aufmerksamkeit bekommt, dass die Rebsorte nicht aus unseren Weinbergen verschwindet.

Ein weiterer Erzeuger herausragender Nobling-Sekte ist das Weingut Dörflinger in Müllheim. Weitere, von mir verkostete und empfohlene Weine der WG Hügelheim: Der erdig-beerige 2007er Spätburgunder Q.b.A im Holzfass gereift, ebenfalls vom Höllberg; der 2008er Gutedel Kabinett aus dem Schlossgarten, mit Aromen von reifen Äpfeln und Macadamianüssen.

Veröffentlicht am 24. August 2009

Eine kleine Brettgeschichte

Im besten Fall steigen Aromen von Teer, Leder und Rauch in die Nase, bei heftiger Ausprägung unangenehm animalische Noten - die Rede ist vom Einfluss der Brettanomyces-Hefe, die sich teils gewollt, teils ungewollt in den Poren älterer Holzfässer einnistet und dort Aromastoffe an den Wein abgibt. Winzer und Önologen sprechen vereinfachend von “Brett”.

An Brett scheiden sich die Weingeister. Für manche ein definitiver Weinfehler, andere dagegen sehen den Einfluss von Brett als Qualitätsmerkmal eines bestimmten Weinstils. Besonders in südfranzösischen Syrah-Weinen bin ich des öfteren auf Brett gestoßen und viele dieser Weine habe ich durchaus mit Genuss getrunken, da sich der dezente Einfluss des Hefepilzes gut in das Gesamtwerk integrierte. Meine Frau empfand diese Weine oft als untrinkbar.

Den Anlass für diesen Artikel gab ein Wein, den wir gestern Abend im Glas hatten. Der 2007er Le Mas der Domaine Clavel kommt in der Nase mit schwarzen Johannisbeeren, Leder und Kräuterbitter noch relativ angenehm daher. Ab dem ersten Schluck ändert sich dieser Eindruck allerdings grundlegend: Die Aromen mutieren zu einer schwer animalischen, an Kaninchenstall erinnernden Note, die sich im ganzen Maul ausbreitet und sich im Abgang sogar noch verstärkt. Diese Geschmacksdominanz zerstört jeden Ansatz von Eleganz im Wein und ruiniert sämtlichen Trinkspass - sogar bei mir.

Wer sein Wissen über die Brettanomyces-Hefe vertiefen möchte, kann es an dieser fachkundigen Stelle tun.

Veröffentlicht am 14. August 2009

Die Sauvignon Blanc - Renaissance

Sauvignon Blanc liegt seit wenigen Jahren voll im Trend und die Rebflächen verzeichnen vor allem in den süddeutschen Anbaugebieten starken Zuwachs. Es handelt es sich um eine regelrechte Renaissance des Sauvignon Blanc in Deutschland, denn die Rebsorte wurde unter dem deutschen Synonym Muscat-Sylvaner schon vor mehreren hundert Jahren hier angebaut, im südbadischen Pfaffenweiler nachweislich seit 1692.

Bis zum dritten Reich war der Muscat-Sylvaner in vielen Regionen Badens im Anbau. Da Muscat-Sylvaner die bedeutendste Weißweinsorte Frankreichs war, verboten die Nationalsozialisten den Anbau in Deutschland mit der irrwitzigen Begründung, es handele sich um „Feindeswein”. So hatte der Sauvignon Blanc nach dem 2. Weltkrieg hierzulande keine Bedeutung mehr. Seit der Markt- und Konsumentenübersättigung mit Chardonnay ist die Rebsorte nun seit geraumer Zeit Trendweißwein Nummer 1 und die Anbauflächen wuchsen besonders in Baden deutlich.


Seit 1692 Sauvignon Blanc im Anbau: Pfaffenweiler im Schneckental.

In Pfaffenweiler erinnerte man sich bereits Anfang der 90er Jahre wieder an diese Rebsorte, kaufte Rebsetzlinge aus dem Loiretal und pflanzte diese auf den Rebflächen der örtlichen Genossenschaft an. Mittlerweile sind ganze 10 Hektar rund um Pfaffenweiler mit Sauvignon Blanc bestockt. Das Pfaffenweiler Weinhaus zählt in Baden zu den Topadressen unter den Genossenschaften. Das Angebot bei Sauvignon Blanc reicht vom einfachen Qualitätswein über Sekt und Eiswein bis zum Premiumwein Sancta Clara, der bei Wettbewerben und Verkostungen regelmäßig Top-Platzierungen erreicht.


Zwischen großer Oper und Punkrock: Der Sancta Clara Sauvignon Blanc

Ich verkoste den 2008er Sauvignon Blanc Spätlese Sancta Clara, der für rund 8 Euro im Handel erhältlich ist. Als erstes fällt mir der Flaschenverschluss unangenehm auf. Ein Kunststoffpfropfen wirkt einfach billig bei einem Spitzengewächs und ist so sinnlich wie eine aufblasbare Gummipuppe. Bei schlichten, jung zu trinkenden Weinen habe ich gegen die Dinger ja nichts einzuwenden, obwohl ich die eleganten Longcap-Drehverschlüsse eindeutig präferiere.

Zum Flascheninhaltinhalt: Im Glas zeigt sich der Sancta Clara mit sichtbarer Kohlensäure und in sattem Goldgelb - eine erstaunlich reife Farbe für einen so jungen Wein. In der Nase offenbart sich eine echte Wuchtbrumme. Reife Papaya, grüne Paprika, Butter, Gras … im Mund sehr breit und komplex, mit viel Extrakt, vollem Körper und beeindruckend opulentem Abgang. Die sehr expressive und süße Frucht wird von der kräftigen Säure nur mit Mühe gebändigt. Das wirkt wie ein Dirigent, der kurz davor steht, sich den einengenden Frack vom Körper zu reissen, um sich als wilder Rock´n Roller zu outen. So schwebt der 2008er Sancta Clara Sauvignon Blanc irgendwo zwischen großer Oper und Punkrock. Passende Speise: In Honig, Limonensaft, Olivenöl, Chili und Zitronenmelisse mariniertes Huhn vom Grill. Passender Song: Sid Vicious - My Way.

Veröffentlicht am 12. August 2009

Mein liebstes Sommerloch…

… offenbart sich beim Blick in den schlanken Hals einer schönen Flasche Rosé. Selbst wenn der sich in diesem Fall Weißherbst nennt. Es muss einfach so ein Stöffchen sein, mit dem man sich umgehend mit oder ohne Begleitung in den Schatten eines breit ausladenden Laubbaums zurückziehen möchte, um dort einen ganzen Abend lang verzückt dem Konzert der Heuhüpfer zu lauschen. Zur Not tut es der Balkon, hier fällt auch die Kühlung leichter.

Der 2008er Weißherbst Kabinett vom Weingut Hermann Dörflinger ist so ein Kandidat für mein Sommerloch-Casting. Im Glas zart roséfarben, in der Nase florale Noten plus Obstkompott und eine Spur Karamell. Deutlicher Gerbstoff, der dem Gesamtwerk richtig gut tut. Mit 4,4 Gramm Restzucker ist der Weißherbst für einen Dörflinger schon deftig süß - das Weingut steht für konsequent durchgegorene Weine, die obligatorischen Angaben auf den Etiketten übersteigen selten die 1-Gramm-Marke. Doch der 2008-er Weißherbst Kabinett macht mir mächtig Trinklaune, weil er so ist wie er ist - Knackig, rund, saftig, lang und durchaus auch ein bisserl süß.