Archiv für ‘Weinrallye’


Veröffentlicht am 16. Januar 2009

Weinrallye auffrisiert: Sherry Manzanilla Fina

Mit Alkohol gespritete Weine sind das Thema der 19. Weinrallye, die von Vinissimus Robert ausgerufen wurde. Aus meinem Keller beförderte ich zu diesem Anlass einen Sherry von Pedro Romero ans Tageslicht: den Manzanilla Fina Sanlúcar de Barrameda.

Wunderbar, wenn sich schon jemand ausführlich der Theorie gewidmet hat und man direkt zur Praxis schreiten kann. So können alle, die wissen wollen, wie Sherry hergestellt wird und was Manzanilla Fina ist, sich Bernhard Fiedlers kompetente Ausführungen ansehen.

Also ohne Umschweife zur Verkostungsnotiz: In der Nase Heu, Kräuter und Mandeln, leicht medizinisch, keine Spur von oxidativen Noten. Beim ersten Schluck steht der salzige und frische Charakter des Manzanilla Fina im Vordergrund. Es tauchen wieder Heu und mediterrane Kräuter auf, dazu ein Hauch Bitterorange. Absolut trocken, angenehm dezentes Säurespiel, seidiger Abgang bei guter Länge. Durchaus appetitanregend, so sollte dieser elegante Sherry ein prima Aperitif sein. Ich genieße Sherry gerne als Digestif zum Espresso, dazu nach Lust und Laune eine milde Zigarillo.

Die Flasche ist mit einem Drehverschluss ausgestattet, auf dem Eitikett sind 15 % Alkoholvolumen angegeben. Der Preis bewegt sich um die 12 €, zu erwerben im guten Fachhandel.

Veröffentlicht am 16. Dezember 2008

Weinrallye #18: Winzersekt aus Deutschland

Niko Rechenberg rief auf seinem Blog Weinwelten das Thema der heutigen Weinrallye aus. Winzersekt ist in Deutschland seit Jahren schwer im Kommen und die besten Qualitäten brauchen den Vergleich mit wesentlich teureren Gewächsen aus der Champagne nicht zu scheuen. Billiger Markensekt aus den deutschen Supermärkten verbreitet dagegen in den allermeisten Fällen keine große Trinkfreude. Die Ursache sind einfachste Grundweine, deren Mängel und Fehler in der Regel mit viel Zucker kaschiert werden. Wer damit glücklich ist, soll es gerne sein. Die von mir bevorzugten Schaumweine stammen eher von ambitionierten Winzern aus meiner Wahlheimat, dem Markgräflerland. Für die Weinrallye habe ich drei Erzeugnisse der Kategorie Brut verkostet, die einen kleinen Querschnitt des hiesigen Angebots darstellen.

Der erste Sekt ist ein 2007-er Nobling brut (7,20 € / ab WG) von der Winzergenossenschaft Wolfenweiler. Er ist ein Vertreter des Tankgärungsverfahren. Dieses Verfahren ist deutlich günstiger und weniger arbeitsaufwendig als die traditionelle Flaschengärung und wird laut wikipedia bei über 90 Prozent der in Deutschland verkauften Sekte angewendet. Im Glas präsentiert sich der Sekt mit blassgelber Farbe. Die an Grapefruit und Zitrusfrüchte erinnernden Aromen werden von einer leicht schwefligen Note begleitet. Die Perlage ist kräftig und stabil, der Nobling brut ist eher ein Schaumwein der einfacheren Art.

Beim Weingut Missbach aus Ebringen wird Sekt traditionell in der Flasche vergoren. Der Pinot Chardonnay Brut (7,75 € / ab Hof) ist aus Spätburgunder und Chardonnay gekeltert und reifte bis zum Degorgieren ganze 15 Monate auf der Hefe in der Flasche. Im Glas leuchtet er goldgelb, in der Nase nehme ich grünen Apfel und nussige Noten wahr. Sehr herb, mineralisch und schlank - in bester Champagner-Stilistik, feine Perlage, Aromen von Papaya und Walnuss, zarte Bitternote im relativ knappen Abgang. Äußerst elegant und appetitanregend.

Der 2007er Chardonnay Vierlig brut vom Heitersheimer Weingut Zähringer ist aus Trauben aus ökologischem Anbau gekeltert. Der Grundwein reift vor der Versektung im kleinen Vierlig-Holzfass. Nach der Gärung in der Flasche erfolgt die zweite Reifung auf der gärungseigenen Hefe. Die Dosage erfolgt mit Eiswein. Der Sekt präsentiert sich strohgelb im Glas, in der Nase sehr frisch und fruchtig. Pfirsich, Zitrusfrüchte, etwas Banane und Birne. Feines Mousseux. Dezente Restsüsse, die sich gut ins Gesamtbild einfügt. Sehr rund und stoffig, langer Abgang. Vom verkosteten Dreiergespann leerte sich diese Flasche mit Abstand am zügigsten. Eine feine Geflügelleberpastete sollte ein ebenbürtiger Partner für diesen Schaumwein sein. Der 2007er Chardonnay Vierlig brut spielt in den oberen Rängen der 1. Liga, allerdings auch preislich: 16 € sind für diesen Winzersekt ab Hof zu berappen.

Veröffentlicht am 17. November 2008

Weinrallye #17: Aufbruchstimmung in Zypern

Meine Suche nach Weinen aus den neuen EU-Ländern führte mich ausgerechnet in ein Land, das allen Versuchungen hartnäckig widersteht, in die EU aufgenommen zu werden: die Schweiz. In Basel besuchte ich einen absoluten Spezialisten für Weine aus Zypern, den Weinhändler Berhard Furler von Paphos-Weine. Furler ist profunder Kenner des Weinbaus auf der zweigeteilten Insel, die jetzt zumindest formell eine geeinte Republik ist. Zu allen Winzern aus seinem Programm hält er engen Kontakt, die Insel bereist er schon seit 20 Jahren. Dass die Schweiz innerhalb der EU selber so etwas wie eine Insel ist, bedauert der sympathische Versandhändler, da er nur Eidgenossen beliefern kann - eine Lieferung ins EU-Ausland ist zu aufwendig und kostspielig. So schmuggele ich also als Reporter ohne Grenzen einen Karton Wein über den Rhein.

Zypern
Reben auf 1200m Höhe im Distrikt Paphos (Foto: B. Furler / Paphos-Weine)

Mit 6000 Jahren Weinbaugeschichte gehört Zypern zu den ältesten Weinländern der Erde. Knapp 16.000 Hektar Land sind mit Reben bestockt, zum großen Teil im zentral gelegenen Troodos-Gebirge und bis auf eine Höhe von 1.500 Meter über dem Meer. Somit sind einige der Rebberge auf Zypern die am höchsten gelegenen Weingärten in Europa. Der Vorteil für den Weinbau auf dieser Höhe sind die kühlen Temperaturen bei Nacht und ein langer Vegetationszyklus. Die Reblaus konnte nicht auf die Insel vordringen, so sind die Reben “wurzelecht” im Kalk- oder Vulkangesteinsboden verwachsen und keine Pfropfreben, wie im großen Rest Europas üblich und notwendig. Auf eine Bewässerung und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel kann aufgrund der klimatischen Bedingungen weitgehend verzichtet werden.

ZypernReben
Alte Rebstöcke, tief verwurzelt im Kalkgestein (Foto: B. Furler / Paphos-Weine)

Bis vor etwa 30 Jahren wurden überwiegend anspruchslose Tischweine und billiger “Ersatz-Sherry” für den englischen Markt produziert. Seit einigen Jahren ist der Weinbau auf Zypern in einer dynamischen Aufbruchsstimmung. Eine neue Generation engagierter Winzer, Önologen und Quereinsteiger, von denen viele im Ausland studiert und gelernt haben, setzen auf elegante Terroir-Weine mit eigenständigem Charakter. Innovative, kleine Familienbetriebe sorgen dafür, das Zypern derzeit eine der spannendsten Weinquellen für Neuentdeckungen ist.

Der weiße Xynisteri und die roten Mavro und Maratheftiko sind die autochthonen Gewächse der Insel, Weine und Cuvées aus weltweit verbreiteten Rebsorten wie Syrah, Cabernet Sauvignon, Mourvèdre, Chardonnay und sogar Riesling errangen auf internationalen Verkostungen schon einige Achtungserfolge. Zu einem 3-Gänge-Menü probiere ich mit großer Neugier die Weine aus den autochthonen Sorten, der Verkostung von Cabernet & Co. werde ich mich in den nächsten Wochen widmen und meine Notizen hier im Blog mit einem zweiten Teil fortsetzen.

Petritis
Xynisteri und Fischsuppe: Ein harmonisches Paar

Den Anfang macht der 2007er Petritis der Kyperounda Winery aus 100% Xynisteri, von dem eine kleine Teilmenge im Barrique ausgebaut wurde. Er begleitet eine mediterrane Fischsuppe mit Seefisch, Meeresfrüchten, Fenchel und feingewürfeltem Wurzelgemüse. Ein durchaus gelungene Kombination, wie sich herausstellt. Der Wein lässt sich vom Charakter zwischen Grünem Veltliner und Weißburgunder einordnen. In der Nase Apfel und erntefrische Walnuss, im Mund frisch und harmonisch, dichter und seidiger Körper, im Abgang mit “Pfefferl” und guter Länge. Das Barrique streift das Geschmacksbild nur in weiter Ferne und trägt sicher ein kleines Stück zum runden Gesamtwerk bei. Die Aromen von Wein und Suppe spielen miteinander, bilden ein prächtig zueinander passendes Paar. Ein gelungener Auftakt!

Der 2005er Vamvakada von Costas Tsiakkas aus 100% Maratheftiko mit 6 Monaten Barrique-Reife begleitet geschmorte Lammhaxen mit Bohnen und Reis. Beim ersten Hineinriechen ins Glas habe ich sofort die Assoziation von Früchten aus dem Rumtopf, verbunden mit einer leicht erdigen Note. Der Vamvakada schimmert in dunklem Rubinrot und zeigt sich beim Schwenken fast schon dickflüssig im Glas. Im Mund reife Zwetschgen, Kirschen und Holunder, mit schöner Länge. Die Tannine sind süß und kräftig, bei ordentlichem Säurespiel, das neue Holz ist gekonnt eingebunden. Eine echte Granate, und dass bei nur 12,5 % Alkoholvolumen! Wo gibt es so etwas noch? Eher selten. Den Charakter des Maratheftiko würde ich zwischen Cabernet Sauvignon und Sangiovese einordnen. Zu den geschmorten Lammhaxen ist der 2005er Vamvakada die absolut korrekte Wahl, die kräftigen Aromen verlangen nach einem kräftigem Wein und korrespondieren prächtig miteinander.

ZypernCrus
Gruppenbild mit zypriotischen Spitzen-Crus und Commandaria

Zum guten Schluss gibt es Schokoladenkuchen, dazu den berühmten Süßwein der Insel, einen Commandaria, von dem auch ein Glaserl im Kuchenteig landet. Der Commandaria von KEO wird aus roten Mavro und weißen Xynisteri-Trauben gekeltert, die nach der Ernte in der Sonne trocknen. Die Gärung stoppt auf Grund des extrem hohen Zuckergehalts in den Beeren bei etwa 10% Alkoholvolumen, anschließend wird der Grundwein mit Branntwein auf 15 % Alkoholgehalt gepusht. In Eichenfässern reifen die Weine nun mindestens zwei Jahre lang in der Großkellerei, die auch Bier und Mineralwasser produziert.

Im Glas zeigt sich der Commandaria rostbraun mit bronzenen Reflexen. In der Nase Rosinen, Datteln, Rooibos-Tee. Im Mund ist dieser Süßwein ein feuriger Gigant. Äußerst dichter Körper, die opulente, süße Frucht steht wunderbar komplementär mit der deutlichen Holznote. Präsente Säure, die den Wein lebendig hält und ein nicht enden wollender Nachhall bei leichtem Brennen im Hals. Den feinen Schokoladenkuchen erschlägt der Wein allerdings, da fehlt so etwas wie eine kräftige Pflaumenmusfüllung, um es mit dem Commandaria aufzunehmen. Zu salzigem Roquefort kann ich mir diesen zypriotischen Süßwein bestens vorstellen, am ehesten flackert aber ein Kaminfeuer vor meinen Augen, vor dem der Ausklang des Tages zelebriert wird. Ein echter Meditationswein, da kann ich der Beschreibung von Weinhändler Bernhard Furler nur zustimmen.

Fazit: Alle drei Weine zeigen mir, dass sich die Begegnung mit Weinen aus Zypern lohnt. Zyperns Winzer verstehen ihr Handwerk und werden sicher in Zukunft noch deutliche Ausrufezeichen setzen. Auf weitere Entdeckungen bin ich sehr gespannt.

Veröffentlicht am 28. Oktober 2008

Weinrallye, die Siebzehnte am siebzehnten November

Swetlana Kittke ruft auf ihrem Blog myexperience4u zur 17.weinrallyeLogoklein auf. Das Thema sind Weine aus den seit 2004 neu beigetretenen 12 EU-Ländern. Da es sich hier um die Länder Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Republik Zypern, Bulgarien und Rumänien handelt, ist die Aufgabe durchaus reizvoll.

WeinFlagge
Mein Entwurf für die offizielle Rennflagge der Rallye

So gehen am 17. November wohl vorwiegend unbekanntere Gewächse an den Rallye-Start. In den baltischen Staaten wird allerdings trotz Klimaerwärmung noch kein professioneller Weinbau betrieben, was sich in wenigen Jahrzehnten noch ändern kann. In Polen dagegen hat der Weinbau eine alte Tradition. Im 19. Jahrhundert betrug die Rebfläche im damaligen Schlesien immerhin rund 1.400 Hektar. Im 20. Jahrhundert erfolgte auf Grund der Planwirtschaft des Ostblocks der komplette Stillstand der (offiziellen) Weinproduktion. Mit dem EU-Beitritt erhielt Polen nun erstmals den Status eines Weinanbaugebietes. Trotzdem ist es derzeit den Winzern noch verboten, ihre Erzeugnisse zu verkaufen - es fehlte bislang ein eigenständiges Weingesetz. Nach langem Tauziehen wurde dieses im August vom Parlament in Warschau verabschiedet, im Jahr 2009 wird voraussichtlich der erste polnische Wein offiziell in den Verkauf gelangen.

Wenig bekannt ist hierzulande auch der tschechische, slowakische, bulgarische und rumänische Weinbau, obwohl in einigen Regionen dieser Länder bereits seit Jahrtausenden Wein angebaut wird. So ist eine Weinrallye zu erwarten, die deutlich zur Erweiterung des Horizonts in puncto neue und alte Weinländer beiträgt.

Veröffentlicht am 15. Oktober 2008

Die Weinrallye #16 zu Besuch im Restaurant

Theo gab auf seinem Blog Notizen für Genießer das Thema zur 16.weinrallyeLogoklein vor. Ein Blick in meine Blog-Statistik zeigt mir, dass ein außergewöhnlicher Ausflug in ein Fastfood-Restaurant mit Abstand der meist gelesenste Beitrag auf diesem Blog ist. Aber das ist Schnee von gestern. Das Thema Wein in der Gastronomie hat mich aufgrund vielfältigster Erfahrungen zu einer In- und Out-Liste animiert:

Angebot

Out: Horrende Preise für einfachste Literware im Ausschank
In: Stimmiges Preis-Genuss-Verhältnis

Out: Weinkarten in üppigem Buchformat, deren Studium abendfüllend ist
In: Eine überschaubare Auswahl, die von Kompetenz zeugt

Out: Der offene Ausschank immer gleicher, belangloser Weine
In: Ein breites und wechselndes Angebot an offenen Weinen

Out: Korkweine zu reklamieren und sich dabei noch schlecht fühlen zu müssen
In: Alternative Flaschenverschlüsse

Out: Trinkfreudeloser Schaumwein aus Großkellereien
In: Erstklassiger Winzersekt

Mega-Out: Ständiges oder gar penetrantes Auffüllen der Gläser
In: Selbstkontrolle über die Flasche und das Nachschenken

Mega-Out: Römer- oder Wassergläser als Weinkelch
In: Schnörkellose, dünnwandige Gläser mit viel “Luft nach oben”

Veröffentlicht am 16. September 2008

Der womöglich kürzeste Weinrallye-Beitrag aller Zeiten

15.: Kein Urlaub, kein Urlaubswein.

Veröffentlicht am 10. Juni 2008

Um Himmels willen!

Eine Rallye ohne Schreiberswein?
ja leider muss das auch mal sein!
So sende ich als kleinen Trost
drei Sätze Lyrik - euch zum Wohle, Prost!

WeinbergGottes

Oh Herr schenk mir einen geilen Saft,
geschmeidig und von purer Kraft.
Gediehen bei Sonne, Wind und Regen,
mit Winzers Blut und deinem Segen.
Ohne Gift auf allen Feldern,
dem schnellen Griff nach Brüssels Geldern.
Jetzt lass ihn noch bekömmlich sein,
für Herz und Hirn den guten Wein.
So will ich ewig deinen Taten danken,
und auch bitten für die armen Kranken.

Halleluja!

Veröffentlicht am 13. Mai 2008

Weinrallye in Gottes Namen

Die Zusammenfassung der 11. Weinrallye ist bei Niko abzurufen, zum Motto der 12. Runde hat sich Rallye-Gründungsvater Thomas Lippert vom Winzerblog wohl durch das Pfingstfest und die 12 Apostel inspirieren lassen, auf die bekanntlich der Heilige Geist hernieder fuhr: Weinrallye im Namen Gottes. Das Thema klingt schwieriger, als es ist und hat das Potential, zu einem Weinrallye-Highlight in 2008 zu werden.