Archiv für ‘Weinlos’


Veröffentlicht am 10. Dezember 2009

Des Schreibers (vorerst) letzter Akt

Es muß das Herz beim jedem Lebensrufe
bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen.
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen.
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten. (
Auszug aus Stufen von Hermann Hesse)

Dieses Blog ist nun Vergangenheit, die sich noch eine Zeit lang mit der Präsenz als Archiv im Netz widerspiegeln wird.

Ich verneige mich tief vor meiner treuen Leserschaft und sage vorerst Lebewohl. An anderer Stelle werde ich durchaus wieder im Netz präsent sein.
Alles Liebe für euch und euren Weg!

“Es gibt keinen Weg zur Glückseligkeit - Glückseligkeit ist der Weg.”
Siddhartha Gautama

Veröffentlicht am 8. Dezember 2009

Dezemberblüten für Kopenhagen

In Kopenhagen wird ja gerade wild um die Zukunft des blauen Planeten geschachert. Nationale Wirtschaftsinteressen stehen hier erwartungsgemäß den dringend notwendigen, einschneidenden Schritten entgegen. Umweltschützer bezweifeln schon jetzt, dass bahnbrechende Beschlüsse den Klimagipfel krönen werden.

Die heute im Weinberg aufgenommen Bilder passen gut zur Meldung aus der dänischen Hauptstadt, dass dieses Jahrzehnt wohl das bislang wärmste seit Anfang der Wetteraufzeichnungen ist.

Schön, nicht wahr? Noch können wir das schön finden. Aber aber wie sieht es in fünfzig Jahren bei uns aus, wenn unsere Kinder und Enkel die Weinberge bestellen? Die Prognosen sind eher düster. Erwarten wir jetzt tatsächlich, dass an der Macht klebende Politiker “die Welt retten”? - oder besser gefragt: “Was ist faul im Staate Dänemark?”

Vor zwei Wochen schnappte ich folgenden Satz auf: “Politik ist, wenn die Liebe abwesend ist”. An dieser These kaute ich einige Zeit schwer. Mittlerweile ist mir klar, dass man sie auch gar nicht denken kann, man muss sie fühlen. Säße sie am Verhandlungstisch in Kopenhagen, die Liebe, und zwar in ihrer reinsten, nicht an Bedingungen geknüpfter Form, was würde sie sagen, diese Liebe? Würden nationale oder wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen? Sicher nicht.

Ich wünsche mir, dass alle in Kopenhagen versammelten Volksvertreter mal ein paar ruhige Minuten lang auf ihr Herz hören, fühlen was es spricht und dann samt einer kleinen Prise Verstand die notwendigen Schritte einleiten. Das wünsche ich mir.

Veröffentlicht am 30. September 2009

Anonyme Köche - Das Buch zum Blog

Anonyme Köche als Buch, muss das wirklich sein? Diese Frage stellte ich mir sogleich, als ich erstmals in dem von mir hoch geschätzten Kochblog über dieses Projekt las. Jetzt halte ich das Werk in den Händen und kann mit Überzeugung ausrufen: Aber ja doch!

Oft genug sind Kochblogs nichts anderes als schnöde Rezeptsammlungen. Anonyme Köche gehen darüber meilenweit hinaus. Korrekt ausgedrückt der Anonyme Koch, denn nach dem Ausstieg der zwei Beiköche ist der vom guten Geschmack beseelte Claudio Del Principe seit geraumer Zeit Alleinkoch. Der Autor, Werbetexter und fast schon besessene Hobbykoch steht für geistreiche wie scharfsinnige Texte, im besten Sinne appetitanregende Fotos und essenzielle Rezepte italienischer Prägung, die ganz ohne Schnickschnack und Schischi auskommen.

Die Zutat ist der Star. Die Kunst des Anonymen Kochs ist es, Geschmack zu haben, ihn zu schulen, zu bewahren und mit handwerklichen Kniffen zur Vollendung zu bringen. Das alles ist im Buch locker und unterhaltsam aufbereitet und inspiriert zur Nachahmung. Küchenregaltauglich!

Ein verzeihlicher Wermutstropfen: Wein darf im Register nur für den Buchstaben W herhalten, sonst spielt er im Buch keine Rolle. Aber who knows, irgendwann gibt es das erste Weinblog als Buch, wetten?

Veröffentlicht am 18. September 2009

Bildungswoche

Die vergangene Woche stand für mich ganz eindeutig im Zeichen der Bildung. Sie begann mit der Entdeckung eines lesenswerten Artikels über die Geschmacksbildung. Der ärgerliche Höhepunkt der Woche war dagegen kein Musterbeispiel in Sachen demokratischer Kultur und politischer Bildung.

Schulbildung ist nach sechs Wochen Ferien wieder ein großes Thema. Ich begleitete meine beiden Söhne bei ihrer Einschulung und durfte dort Zeremonien beiwohnen, die mich sehr berührten. Der Große kam am Dienstag auf das Gymnasium und fühlt sich jetzt auch dementsprechend groß und cool. Der Kleine ist seit Mittwoch Schüler der ersten Klasse in einer anthroposophischen Einrichtung. Ein Amoklauf an einer Schule in Bayern am nächsten Tag war da schon ein Schock und offenbarte wieder einmal die herrschende Gefühlskälte in unserer Gesellschaft. Herzensbildung tut Not!

In diesem Punkt lieferte Roger Willemsen das Highlight der Woche: Bei der Vorstellung seines neuen Buches Bangkok Noir wurde er in der 3sat-Sendung Kulturzeit gefragt, was denn wir Europäer von den Thais lernen können.

Das allgemeine Bestreben, das Wohlgefühl der Gemeinschaft zu heben, lautete seine Antwort.

Veröffentlicht am 4. September 2009

Rempeln um den grünen Weinberg

Nicht weil Muammar al-Gadhafi, Staatschef von Libyen, die Auflösung und Aufteilung der Schweiz bei der UNO-Vollversammlung beantragen möchte, habe ich dem Land noch schnell einen Besuch abgestattet. Die bald endende Vincent van Gogh-Ausstellung Zwischen Himmel und Erde im Kunstmuseum Basel war Ziel meiner gestrigen Tagesreise.

Vor allem das Spätwerk von van Gogh zieht mich schon seit Jahrzehnten in seinen Bann. In Basel sind viele Schlüsselwerke aus den letzten drei Lebensjahren des Malers zu sehen. Wenn man denn an sie rankommt: Die bis zum Ausstellungsende erwartete halbe Million Besucher ist schön für die Museumskasse, dem nach ruhiger Betrachtung dürstenden Kunstfreund fordert dieser Umstand dagegen einiges ab. Die Eingangshalle des Museums täuscht noch großzügige Räumlichkeit vor. Minuten später leidet der empfindliche Besucher allerdings unter Klaustrophobie. Die 70 Werke sind auf engstem Raum zusammengetragen. Der freie Blick auf das Bild muss strategisch klug erkämpft werden. Rempeleien inklusive.

Das lohnt sich. Einmal nahe genug herangekommen (nicht zu nah, denn sofort ertönt ein durchdringender Pfeifton und die Aufpasser eilen herbei), eröffnet sich dem Betrachter die ganze Welt des Vincent van Gogh: der wilde Pinselstrich, die lodernden Farben und Formen, die sich mal verdichten, mal auflösen - kurzum die orgastische Malerei eines besessenen Künstlergenies. Zu den Bilder, die mich in Basel besonders faszinierten, gehörte auch der “Grüne Weinberg” von 1888.

Nicht in der Ausstellung zu sehen ist das im selben Jahr entstandene Pendant “Roter Weinberg”. Um die Gegenüberstellung der zwei Werke nachzuholen und Wein nunmal hier im Blog das tragende Thema ist, habe ich dieses Bild angefügt.

Mit einer Flasche Schweizer Wein im Rucksack, allerdings nicht aus dem Museums-Shop, in dem es tatsächlich van Gogh-Bier und einige weitere Überflüssigkeiten gibt, trat ich die Rückreise über den architektonisch, historisch, künstlerisch und politisch bedeutsamen Badischen Bahnhof an. Im Zug glitt ich eine dreiviertel Stunde lang an grünen Weinbergen unter blaugrau verwirbelten Wolken vorbei, ganz ohne Rempeleien und mit eingehender Betrachtung.

Über die Verkostung des Mitbringsels, einen Aigle les Murailles von Henri Badoux, werde ich nach ebenso eingehender Betrachtung hier im Blog berichten. Ach ja, und wenn die Schweiz demnächst wirklich aufgeteilt wird, wäre es fein, wenn der Genfer See samt Umland Baden zugesprochen wird.

Veröffentlicht am 27. August 2009

Der Wahlkampf und der Wein - Teil 5: SPD

Der letzte Teil der Serie widmet sich der SPD, deren Drogenbeauftragte Sabine Bätzing mit Ihren Forderungen nach einer Alkoholsteuer und Werbeverboten für alkoholische Getränke in den vergangenen Monaten massive Proteste der Weinwirtschaft provozierte.

Im Blog von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier finde ich auf Anhieb einen aktuellen Eintrag zum Thema Wein, der sich dazu recht lustig liest: “21.08.2009. Heute Abend bin ich im Weinberg. Ich besuche das nördlichste Rotweinanbaugebiet in Deutschland, das an der Ahr liegt (…) Ich freue mich darauf, dass auch Kurt Beck dazukommt (…) Zurück zum Wein: Bei meiner Sommerreise hatte ich berichtet, wie Bionade sich mit einer guten Idee neu erfunden hat, als das alte Brauerei-Modell nichts mehr abwarf. Auch deutsche Winzer können in den letzten Jahren eine solche Erfolgsgeschichte erzählen: einst als Zuckerwasser verspottet, ist deutscher Wein heute ein globales Trend-Getränk. Auch auf mancher Tafel von Staats- und Regierungschefs habe ich leckeren Riesling getrunken. Aber ich bin nicht nur begeisterter Wein-Trinker, sondern mich beeindruckt, dass unsere heimischen Weinberge und Reben zum Teil hunderte Jahre alt sind und – bedingt durch ihre Hanglage – nur in Handarbeit gepflegt und geerntet werden können. Ich bin sicher, dass wir heute Abend gemeinsam ein Gläschen trinken werden. Aber davon berichte ich dann morgen …”

Hat er aber leider nicht, ob Ihm da Genossin Sabine Bätzing gerade noch rechtzeitig auf die Finger geklopft hat?

Brandaktuell scheint sich die SPD von ihrer bisher skeptischen bis ablehnenden Haltung gegenüber der grünen Gentechnik zu verabschieden. Der SPD-Schattenlandwirtschaftsminister und Experte für Agrarpolitik, Udo Folgart, hat sich nach einem heute veröffentlichten Artikel in der taz dafür ausgesprochen, Landwirten den Anbau der BASF-Genkartoffel Amflora zu ermöglichen, ebenso will er den Bau riesiger “Tierproduktionsanlagen” fördern. Udo Folgart ist laut taz Geschäftsführer der Agro-Glien GmbH, einem Betrieb in Brandenburg mit über 1.200 Hektar Land und 220 Kühen, der jährlich knapp 300.000 Euro Subventionen aus EU-Töpfen erhält. Zudem ist er Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes. Das sind durchaus aufschlussreiche Fakten.

Als Kontrast ein kleiner Auszug aus dem Wahlprogramm der SPD: “In der EU wollen wir weg von der Subventionspolitik landwirtschaftlicher Produktion mit der Gießkanne und hin zu einer Umwidmung dieser Mittel für die Unterstützung der Entwicklung ländlicher Regionen und die Erbringung gesellschaftlich gewünschter Leistungen wie Gewässerschutz, Offenhaltung der Kulturlandschaften und Sicherung der Erholungsräume. Wir sind für klare Leitplanken zur nachhaltigen natur- und umweltschonenden Produktion. Wir wollen die biologische Vielfalt erhalten, Böden und Wasser schützen.” Aha!

Mein Senf darauf: Das die SPD Profilierungsprobleme hat, ist hinlänglich bekannt. Das hin und her in Sachen Gentechnik und Drogenpolitik betoniert diesen Umstand. Oh SPD, wohin?

Veröffentlicht am 27. August 2009

Der Wahlkampf und der Wein - Teil 4: CDU/CSU

Mit dem vierten Teil der Serie kommen wir zu den großen Volksparteien. Die CDU und die CSU stehen der Landwirtschaft traditionell sehr nahe. In meiner Region gibt es einige Winzer, die für die CDU im Landtag, Kreistag oder in den kommunalen Parlamenten sitzen (für die Grünen engagieren sich dem Klischee gerecht hauptsächlich die Biowinzer, wie etwa Reinhold Pix im Baden-Württembergischen Landtag).

Zum Stichwort Wein findet sich auf dem gemeinsamen Online-Portal zum Wahlprogramm der Parteien eine Pressemitteilung zur Novelle des Weingesetzes. Hier heisst es am Schluss: “Der deutsche Weinbau hat eine gute Zukunft. Dafür hat die Union gesorgt. Die Qualität der Weinproduktion, die Wahrung der Herkunftskennzeichnung als Erkennungsmerkmal für die Verbraucher und die Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit werden auch künftig im Mittelpunkt unserer Politik stehen.” Das sind große Worte für jahrelanges bürokratisches Tauziehen mit wenig konkreten Ergebnissen.

Zum Thema Gentechnik in der Landwirtschaft finden sich eine Menge Wischiwaschi-Aussagen bei den christlichen Parteien. Es liegt gerade deswegen sehr nahe, dass im Falle einer Regierungsbildung mit der FDP der Gentechnik und Konzernen wie Monsanto Tür und Tor geöffnet werden. Eine beispielhafte Aussage spricht in dieser Hinsicht Bände: Der bildungs- und forschungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stefan Müller MdB, erklärte am 7. Juli 2009 in Potsdam: “Wenn Risiken ausgeschlossen werden können, sollten die Chancen genutzt werden - auch in Deutschland. Zukunftstechnologien sichern unseren Wohlstand von morgen. Es geht letztlich um die Frage, wie wir künftig unser Geld verdienen wollen.”

Die Problematik des Alkoholmissbrauchs bei Jugendlichen wollen CDU und CSU mit präventiven Maßnahmen und stärkeren Kontrollen zur Einhaltung bestehender Gesetze bekämpfen. Dazu Maria Eichhorn, Drogenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion: “Um Alkoholexzesse zu vermeiden, ist eine verstärkte Präventionsarbeit notwendig, die in den Elternhäusern beginnen muss. Dazu gehört, dass Eltern mit ihren Kindern über die Gefahren des Alkoholkonsums reden und einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol in der Öffentlichkeit und in der Familie vorleben. Die Medien müssen in die Verantwortung genommen werden, auf die Darstellung des Konsums von Alkohol in Filmen zu verzichten.”

Der letzte Satz von Frau Eichhorn stimmt mich allerdings etwas bedenklich. Betrifft das nicht auch die Weinwerbung und das Degustieren von Wein in Vlogs und Blogs?

Mein Senf darauf: Der Auftreten von CDU und CSU im Internet ist wie erwartet eher konservativ. Das tut allerdings sogar mal gut nach der vorherigen Sichtung der Online-Auftritte der kleinen Parteien, die für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr um die Gunst der jungen Mitglieder der aktiven Internetgemeinde buhlen. Natürlich spielen aber auch bei CDU/CSU YouTube, Facebook und VZ eine Rolle.

Veröffentlicht am 26. August 2009

Der Wahlkampf und der Wein - Teil 3: Die Linke.

Auf den Online-Seiten der Partei Die Linke springt einem zuerst das überdominante Rot ins Gesicht. Weniger ist manchmal mehr, wie es so schön heißt.

Der Suchbegriff “Wein” führt zu Artikeln, in denen es darum geht “reinen Wein einzuschenken”. Hier stoße ich auch auf ein Grußwort zur Parteigründung von Werner Schneyder, der einen Chateau Rothschild in seinen bissigen Text integrierte.

In den Themenbereichen Landwirtschaft und Gentechnik sind die Positionen der Linken mit denen von Bündnis 90 / Die Grünen fast identisch. Die Linke ist für ein Verbot der Gentechnik in der Landwirtschaft und fordert “EU-Subventionen für soziale und ökologische Leistungen der Agrarbetriebe”.

Wie steht es mit der Drogenpolitik? Für diese Fragen betreibt die Linke den Blog Bundesarbeitsgemeinschaft Drogenpolitik als Diskussionsforum. Hier dreht sich momentan viel um die geordnete Freigabe von Cannabis.

Zum Thema Alkohol und Wein finde ich dort eine Pressemitteilung von MdB Monika Knoche: “Der Drogenberichtbericht der Bundesregierung macht deutlich, dass der Alkoholkonsum das gesamtgesellschaftlich größte Problem darstellt. Die Appelle der Drogenbeauftragten Bätzing an die Alkoholindustrie, ihre Werbung weniger auf die Lifestyle-zentrierte jungendliche Zielgruppe zu fokussieren, dürfen nicht ungehört verhallen. Allerdings sollten auch Ursachen erkannt und bekämpft werden… DIE LINKE lehnt eine strafrechtliche Lösung der Drogenprobleme ab. Zielführend sind nur präventive und therapeutische Hilfen und Angebote.”

Mein Senf darauf: Die Linke präsentiert sich als grünroter Cocktail. Hinter vielen Thesen schwebt das Fragezeichen der Finanzierbarkeit. Klar, da sind viele Ansätze, die einem von Grund auf als sinnvoll einleuchten … aber irgendwie wirkt das nicht authentisch auf mich. Trotz Online-Community, MySpace, Facebook und Konsorten will da kein Funke überspringen.