Nicht weil Muammar al-Gadhafi, Staatschef von Libyen, die Auflösung und Aufteilung der Schweiz bei der UNO-Vollversammlung beantragen möchte, habe ich dem Land noch schnell einen Besuch abgestattet. Die bald endende Vincent van Gogh-Ausstellung Zwischen Himmel und Erde im Kunstmuseum Basel war Ziel meiner gestrigen Tagesreise.
Vor allem das Spätwerk von van Gogh zieht mich schon seit Jahrzehnten in seinen Bann. In Basel sind viele Schlüsselwerke aus den letzten drei Lebensjahren des Malers zu sehen. Wenn man denn an sie rankommt: Die bis zum Ausstellungsende erwartete halbe Million Besucher ist schön für die Museumskasse, dem nach ruhiger Betrachtung dürstenden Kunstfreund fordert dieser Umstand dagegen einiges ab. Die Eingangshalle des Museums täuscht noch großzügige Räumlichkeit vor. Minuten später leidet der empfindliche Besucher allerdings unter Klaustrophobie. Die 70 Werke sind auf engstem Raum zusammengetragen. Der freie Blick auf das Bild muss strategisch klug erkämpft werden. Rempeleien inklusive.

Das lohnt sich. Einmal nahe genug herangekommen (nicht zu nah, denn sofort ertönt ein durchdringender Pfeifton und die Aufpasser eilen herbei), eröffnet sich dem Betrachter die ganze Welt des Vincent van Gogh: der wilde Pinselstrich, die lodernden Farben und Formen, die sich mal verdichten, mal auflösen - kurzum die orgastische Malerei eines besessenen Künstlergenies. Zu den Bilder, die mich in Basel besonders faszinierten, gehörte auch der “Grüne Weinberg” von 1888.

Nicht in der Ausstellung zu sehen ist das im selben Jahr entstandene Pendant “Roter Weinberg”. Um die Gegenüberstellung der zwei Werke nachzuholen und Wein nunmal hier im Blog das tragende Thema ist, habe ich dieses Bild angefügt.

Mit einer Flasche Schweizer Wein im Rucksack, allerdings nicht aus dem Museums-Shop, in dem es tatsächlich van Gogh-Bier und einige weitere Überflüssigkeiten gibt, trat ich die Rückreise über den architektonisch, historisch, künstlerisch und politisch bedeutsamen Badischen Bahnhof an. Im Zug glitt ich eine dreiviertel Stunde lang an grünen Weinbergen unter blaugrau verwirbelten Wolken vorbei, ganz ohne Rempeleien und mit eingehender Betrachtung.
Über die Verkostung des Mitbringsels, einen Aigle les Murailles von Henri Badoux, werde ich nach ebenso eingehender Betrachtung hier im Blog berichten. Ach ja, und wenn die Schweiz demnächst wirklich aufgeteilt wird, wäre es fein, wenn der Genfer See samt Umland Baden zugesprochen wird.