Veröffentlicht am 14. Oktober 2008
Cha-Cha, eine runde Sache
Cha-Cha F1. Merkwürdiger Name für einen Kürbis. Beim Stöbern in der Welt der Speisekürbisse sind seltsame Namen allerdings keine Ausnahme. Den Cha-Cha hat die Bäuerin meines Vertrauens auf ihrem Feld angebaut. “Soll besser sein als der Hokkaido”, also her damit, Abwechslung muss sein! Zufällig stoße ich auf ein Rezept, das mir passend scheint für den kleinen Cha-Cha: Gefüllte Minikürbisse. Dafür brauche ich 250 g Ricotta, 50 g Parmigiano, eine kleine Handvoll Schinkenwürfel, 1 Eßlöffel Semmelbrösel, gehacktes Basilikum, Petersilie, Pfeffer und Salz.

Vor dem Backen
Der Cha-Cha wird halbiert und ausgeschabt, der Ricotta mit dem Großteil des geriebenen Parmesankäses, den Kräutern, den Semmelbröseln und Gewürzen zu einer Masse verarbeitet. Nach dem Abschmecken fülle ich das Ganze in die Kürbishälften, die zwischenzeitlich in einer Auflaufform Platz genommen haben. Jetzt noch mit Schwung den restlichen Parmigiano drüber streuen und ab in den mit 200 Grad vorgeheizten Backofen. Eine dreiviertel Stunde Garzeit gibt mir Gelegenheit mich dem ausgesuchten Wein zu nähern, dessen Umverpackung nicht nur zufällig genauso rund ist wie ein Cha-Cha F1.

Während dem Backen
Der 2006-er Rivaner trocken “Golf” der Privatkellerei Johannes Deppisch zeigt sich allerdings beim ersten Schluck als wenig kompatibel. Die extrem breite Muskatnote erinnert sehr an einen kräftigen Muskateller. Im Abgang ist diese Note fast schon penetrant. Die Restsüße ist mehr als ein Rest, als “trocken” würde ich einen solchen Wein nicht unbedingt vermarkten, das deutsche Weingesetz ist in dieser Beziehung leider zu dehnbar. Für Liebhaber von halbtrockenem oder mildem Muskateller ist der Rivaner sicher eine gute Wahl. Zum gefüllten Kürbis aber ein glatter Fehlgriff, also was tun? Ein schöner fruchtig-leichter Spätburgunder der Kabinett-Klasse sollte besser ins Geschmacksbild passen. Also geschwind in den Keller, es ist noch nicht zu spät.

Nach dem Backen
Die Messerprobe zeigt mir, dass die Cha-Cha-Hälften butterweich gebacken sind. Der erste Bissen kündigt einen Volltreffer an. Die Ricotta-Parmesan-Kräuter-Füllung harmoniert mit dem süßen, an mehlige Esskastanien erinnernden Kürbis ganz hervorragend. Ein unkomplizierter und blitzsauberer 2006-er Bischoffinger Spätburgunder vom Kaiserstuhl rundet die Sache weiter ab. Manchmal müssen Experimente fehlschlagen, um neue Horizonte zu öffnen. Oh weia, gilt das auch für den Teilchenbeschleuniger in Cern? So ein schwarzes Loch ist ja ebenfalls eine runde Sache …

















