Archiv für ‘Weingeschichte’


Veröffentlicht am 8. August 2007

Außergewöhnliche Weinjahre (2)

1290 (B-J; KM): sehr gelinder Winter, Baumblüte um Weihnachten, Traubenblüte im April. Am 20. Mai Schneefall, strenge Kälte, Reben z.T. erfroren, warmer Sommer, viel und guter Wein.

1297 (B-J): Reife Trauben am 4. August, reichlich guter neuer Wein am 8. September.

1304 (B-J; MD): warmer Winter, trockenes sehr heißes Jahr, am 23. Juni reife Trauben. Kolossale Hitze, ohne Regen und heiß. Und: Milder, frostfreier Winter, heißer regenloser, Sommer, große Dürre. Vorzüglicher Wein, sodass man das Erzeugnis geringer Lagen dem Wein bester Lagen aus anderen Jahrgängen vorzog.

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1328 (B-J): Sehr viel ausgezeichnet guter Wein; gelinder Winter, Bäume blühen im Januar, Weinlese an Jacobi (= 25.7.), Rebenblüte im April. Und: 14 Tage nach Jakobi Weinlese. (KM): Reben blühen schon im April, um Johannis (= 24.6.) reife Trauben, reicher Ertrag von ausgezeichneter Güte.

(Quellen: [B-J] Friedrich von Bassermann – Jordan: Geschichte des Weinbaus 1923, [KM] Karl Müller: Geschichte des Badischen Weinbaus, 1953, [MD] Medard Barth: Der Rebbau des Elsass, 1958)

Veröffentlicht am 7. August 2007

Serie: Außergewöhnliche Weinjahre (1)

Wir erleben in diesem Jahr ein außergewöhnliches Weinjahr und das ist sehr wahrscheinlich schon bald ganz gewöhnlich. Das Klima wird sich in den nächsten Jahrzehnten weltweit dramatisch verändern und das Treiben des Homo sapiens ist eindeutig die Ursache dafür. Diese Veränderungen sind auch schon längst im vollen Gange. Trotz alledem oder gerade deshalb ist es äußerst interessant zu wissen, welche Wetterextreme die Weinbauregionen schon im letzten Jahrtausend heimsuchten.

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Das Wetter war auch vor 1000 Jahren schon reich an Kapriolen

Es folgen nun Berichte aus den Jahren 1000 bis 1811 (Quellen: [B-J] Friedrich von Bassermann – Jordan: Geschichte des Weinbaus 1923, [KM] Karl Müller: Geschichte des Badischen Weinbaus, 1953, [MD] Medard Barth: Der Rebbau des Elsass, 1958), zusammengestellt von meinem alten Lehrmeister und Diplom-Önologen Paulin Köpfer, dem ich hier für seine “Forschungsarbeit” und die Überlassung der Notizen sehr danken möchte. Den Anfang machen nun die Jahre 1186, 1208, 1228 und 1289. Zur Vergleichbarkeit der geschichtlichen Daten hier das langjährige Mittel (Region Baden): Blüte ca 10. – 12. Juni, Blüte in „guten Jahren“ wie 1993 und 2003: Anfang Juni, Blühbeginn 2007: 20.Mai. Von der Blüte bis zur Lese sind es rund 100 Tage.

1186 (B-J): so warm, dass im Januar schon Baumblüte, im Februar Apfelblüte, Weinlese im August

1208 (B-J): Rebblüte schon Anfang Mai

1228 (MD): Rebenblüte im April, Ende Juni reife Trauben, am 10. August Herbst zu Ende. (B-J): Es blüthen die Reben im April. Heißer Sommer, man konnte ein Ei im Sand sieden.

1289 (B-J): Sehr gelinder Winter ohne Schnee; das Laub blieb an den Bäumen, bis das neue um Weihnachten ausschlug, im Januar Baumblüte, im Februar Erdbeeren, April Traubenblüte, dann im Mai Frost und Schnee, der alles tötet, es schlägt aber alles wieder aus und wird wohlfeil. (B-J aus anderer Quelle (?)): Der Winter war warm … vor Hilarii (= 13. Januar!) brachten die Weinstöcke Schösslinge, Blätter und Blüthen. Weinlese im August.

Anmerkung: Nicht berücksichtigt ist die Einführung des Gregorianischen Kalenders, in dem 10 Tage übersprungen wurden: In katholischen Gegenden 1582 (teils 1583): vom 4. Oktober auf 15. Oktober. In evangelischen Ländern 1700 vom 18.2. auf 1. März.