Archiv für ‘Weinberg’


Veröffentlicht am 7. September 2009

Start der Weinlese in Baden

Vor allem für den Suser wird schon seit dem vergangenen Wochenende geerntet. Der Müller-Thurgau ist in den nächsten Tagen lesereif, die Burgundersorten und der Gutedel folgen nach Lage der Dinge in etwa 3 bis 4 Wochen.

Veröffentlicht am 7. September 2009

Neue Gefahr durch die Reblaus?

Im 19. Jahrhundert führte die aus Nordamerika eingeschleppte Reblaus in den europäischen Weinbaugebieten zu katastrophalen Zerstörungen. Nur durch das Bepropfen auf reblausresistente, amerikanische Unterlagsreben konnten in den meisten Regionen die europäischen Kulturreben erhalten bleiben. Nun ist die Reblaus seit einigen Jahren wieder auf dem Vormarsch in den deutschen Rebgärten.

Zu den Ursachen der erneuten Ausbreitung gehören die verbesserten klimatischen Bedingungen dank Klimaerwärmung, brach liegende Altanlagen und verwilderte Amerikanerreben an den Böschungen, die den Schädlingen als ideale Brutstätten dienen. An einer Böschung am Westhang des Batzenbergs habe ich gestern diese Aufnahmen gemacht:


Die hohe Anzahl von Blattgallen deutet auf einen massiven Reblausbefall an dieser Amerikanerrebe hin.


Selbst in einer benachbarten Spätburgunderanlage zeigen sich erste Blattgallen.

Die große Gefahr ist die Möglichkeit einer genetischen Mutation der Reblaus durch oberirdische Paarung. So könnte theoretisch eine neue Generationen der Reblaus entstehen, die Geschmack an den Wurzeln der noch resistenten Unterlagsreben findet. Die Weinbauberater in den Anbaugebieten empfehlen den Winzern deshalb dringend, brachliegende Rebanlagen und Amerikanerreben in Böschungen gründlich zu roden, um eine weitere Verbreitung der Reblaus zu verhindern.

Für Wissensdurstige empfehle ich zur Vertiefung des Themas zwei Fachartikel zur Lektüre: Der Reblaus Einhalt gebieten und Zunahme von Reblausschäden an der Mosel.

Veröffentlicht am 4. September 2009

Rempeln um den grünen Weinberg

Nicht weil Muammar al-Gadhafi, Staatschef von Libyen, die Auflösung und Aufteilung der Schweiz bei der UNO-Vollversammlung beantragen möchte, habe ich dem Land noch schnell einen Besuch abgestattet. Die bald endende Vincent van Gogh-Ausstellung Zwischen Himmel und Erde im Kunstmuseum Basel war Ziel meiner gestrigen Tagesreise.

Vor allem das Spätwerk von van Gogh zieht mich schon seit Jahrzehnten in seinen Bann. In Basel sind viele Schlüsselwerke aus den letzten drei Lebensjahren des Malers zu sehen. Wenn man denn an sie rankommt: Die bis zum Ausstellungsende erwartete halbe Million Besucher ist schön für die Museumskasse, dem nach ruhiger Betrachtung dürstenden Kunstfreund fordert dieser Umstand dagegen einiges ab. Die Eingangshalle des Museums täuscht noch großzügige Räumlichkeit vor. Minuten später leidet der empfindliche Besucher allerdings unter Klaustrophobie. Die 70 Werke sind auf engstem Raum zusammengetragen. Der freie Blick auf das Bild muss strategisch klug erkämpft werden. Rempeleien inklusive.

Das lohnt sich. Einmal nahe genug herangekommen (nicht zu nah, denn sofort ertönt ein durchdringender Pfeifton und die Aufpasser eilen herbei), eröffnet sich dem Betrachter die ganze Welt des Vincent van Gogh: der wilde Pinselstrich, die lodernden Farben und Formen, die sich mal verdichten, mal auflösen - kurzum die orgastische Malerei eines besessenen Künstlergenies. Zu den Bilder, die mich in Basel besonders faszinierten, gehörte auch der “Grüne Weinberg” von 1888.

Nicht in der Ausstellung zu sehen ist das im selben Jahr entstandene Pendant “Roter Weinberg”. Um die Gegenüberstellung der zwei Werke nachzuholen und Wein nunmal hier im Blog das tragende Thema ist, habe ich dieses Bild angefügt.

Mit einer Flasche Schweizer Wein im Rucksack, allerdings nicht aus dem Museums-Shop, in dem es tatsächlich van Gogh-Bier und einige weitere Überflüssigkeiten gibt, trat ich die Rückreise über den architektonisch, historisch, künstlerisch und politisch bedeutsamen Badischen Bahnhof an. Im Zug glitt ich eine dreiviertel Stunde lang an grünen Weinbergen unter blaugrau verwirbelten Wolken vorbei, ganz ohne Rempeleien und mit eingehender Betrachtung.

Über die Verkostung des Mitbringsels, einen Aigle les Murailles von Henri Badoux, werde ich nach ebenso eingehender Betrachtung hier im Blog berichten. Ach ja, und wenn die Schweiz demnächst wirklich aufgeteilt wird, wäre es fein, wenn der Genfer See samt Umland Baden zugesprochen wird.

Veröffentlicht am 29. August 2009

Im Trockenstress

Die seit einigen Wochen anhaltende Trockenheit im Markgräflerland führt in einigen Anlagen zu deutlich sichtbarem Trockenstress bei den Reben. Besonders junge Rebstöcke sind betroffen, da die Wurzeln im Gegensatz zu alten Reben noch nicht tief ins Erdreich ragen. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Bodenbeschaffenheit. So verringern ein niedriger Humusgehalt und ein hoher Anteil von Ton oder Sand das pflanzenverfügbare Wasser in der Erde.

Erstes Anzeichen für Trockenstress sind die schlaff nach unten hängenden Ranken der Reben. Eine positive Seite hat die aktuelle Situation: Der Wassermangel führt zu einer Reifeverzögerung. Da der Turbostart am Beginn der Wachstumsperiode und der durchgehend warme Sommer zum extrem frühen Reifebeginn der Beeren führte, ist das jetzt durchaus willkommen. Bei einer zu frühen Lese fehlen die ausgeprägten Aromen, insbesondere bei den weißen Sorten. Allerdings kann Trockenstress auch die Untypische Alterungsnote (UTA) im Wein fördern.

Bedingt durch die fortgeschrittene Reife wird der Jahrgang 2009 im Markgräflerland wohl deutlich säureärmer ausfallen als der eher säurebetonte Vorgängerjahrgang. Zu weiteren Prognosen lasse ich mich nicht hinreissen, obwohl es momentan vielversprechend aussieht. Die Witterung in den allerletzten Wochen vor der Lese wird wie jedes Jahr den entscheidenden Einfluss nehmen.

Veröffentlicht am 17. August 2009

Früher Spätburgunder

Die Reben im Markgräflerland sind der durchschnittlichen Entwicklung etwa 10 Tage voraus und zeigen sich in gepflegten Anlagen bei guter Gesundheit. Einzig der früh reifende Müller-Thurgau ist partiell mit Botrytis befallen, meldet Weinbauberater Hansjörg Stücklin in seiner aktuellen Weinbauinfo. Den Lesebeginn bei Müller-Thurgau erwartet Stücklin bereits Mitte September. Große Sorgen bereitet das seit einigen Jahren verstärkte Auftreten der Reblaus in Südbaden.

Der Blaue Spätburgunder ist in den guten Lagen bereits durchgefärbt, an schattigeren Plätzen bieten dagegen einige Trauben noch ein nuancenreiches Farbenspiel. Die Ernte des Spätburgunders beginnt in der Regel vier Wochen nach der Müller-Thurgau-Lese, dieses Jahr also etwa Mitte Oktober.

Die Abschlussspritzungen der Winzer sind jetzt durchgeführt, da für die meisten Pflanzenschutzmittel lange Wartezeiten gesetzlich vorgeschrieben sind. So müssen selbst Biowinzer mindestens 35 Tage (Wartezeit für Kupferpräparate) vor der Ernte ihre Pflanzenschutzmittel ausgebracht haben. So ist in den Weinbergen nun Sommerruhe eingekehrt und die Spinnen können ungestört ihre Netze weben.

Veröffentlicht am 27. Juli 2009

Gone with the rain

Die “Offene Bodenhaltung” rächt sich bei den häufigen Starkregengüssen in diesem Jahr ganz besonders. Ist der Untergrund im Weinberg dazu durch mangelnde Bodenbearbeitung verdichtet, spült es die oberen Erdschichten einfach weg.

Das Foto entstand nach einem heftigen Gewitterschauer Ende letzter Woche. Das Rebstück am Batzenberg weist bis zu 20 Zentimeter tiefe Erosionsrinnen auf. Der Verlust ist gigantisch, da dieser Oberboden besonders humushaltig ist. Ein langfristiger Ausgleich ist durch die Ausbringung von Kompost und die gezielte Begrünung der Gassen möglich.

Veröffentlicht am 1. Juni 2009

Frühe Rebblüte

Zehn Tage vor dem langjährigen Mittel stehen die Reben im Markgräflerland mitten in der Blüte. Im wenige Kilometer entfernten Kaiserstuhl sind die Reben in guten Lagen sogar noch ein paar Tage weiter entwickelt.

Im Gegensatz zu Wildreben sind unsere Kulturreben bis auf wenige Ausnahmen zwittrig und somit selbstbefruchtend. Die Käppchen lösen sich von den Blütenknospen und geben die Pollenfäden und den Fruchtknoten frei, der auf dem so genannten Diskus sitzt.

Da es im Schnitt 100 Tage von der Blüte bis zur Vollreife der Beeren braucht, ist wieder mal ein sehr früher Lesebeginn möglich. Letztes Jahr verzögerte ein kühler Sommer nach früher Blüte die Reife allerdings ganz erheblich. So warten wir einfach mal ab, welchen Ertrag zu welcher Zeit uns die Natur dieses Jahr beschert.

Veröffentlicht am 20. Mai 2009

Ringel, Ringel, Reihe, …

… wir sind der Kinder dreie, sitzen unterm Hollerbusch, schreien alle: “Husch, husch, husch!”

Ein hübsch passendes Liedchen zu diesem Frühling in Siebenmeilenstiefeln. Der Holunder steht in voller Blütenpracht, für Mitte Mai ist das zumindest in meiner Erinnerung rekordverdächtig früh.

Die duftenden Blüten sind in Brandteig getaucht und Öl ausgebacken eine prima Leckerei und gegen einen Schuss Blütensirup im Sekt habe ich gelegentlich nichts einzuwenden.

Die zur Verschönerung der Monokultur Weinberg gepflanzten Lilien stehen dagegen kurz vor dem Verblühen.

Zwischen den Rebzeilen des Ökowinzers findet das suchende Auge weitere Blüten: Kräuter und Wildblumen locken so einige sich am Nektar betrinkende Fluginsekten an.

Nur die Reben wollen noch nicht blühen. Bis zum Blühbeginn könnte es nach Augenschein auch noch einige Tage dauern. Und dann wäre es immer noch sehr früh: Das langjährige Mittel der Rebblüte liegt in der Region Südbaden um den 11. Juni.