Eine kleine Brettgeschichte
Im besten Fall steigen Aromen von Teer, Leder und Rauch in die Nase, bei heftiger Ausprägung unangenehm animalische Noten - die Rede ist vom Einfluss der Brettanomyces-Hefe, die sich teils gewollt, teils ungewollt in den Poren älterer Holzfässer einnistet und dort Aromastoffe an den Wein abgibt. Winzer und Önologen sprechen vereinfachend von “Brett”.
An Brett scheiden sich die Weingeister. Für manche ein definitiver Weinfehler, andere dagegen sehen den Einfluss von Brett als Qualitätsmerkmal eines bestimmten Weinstils. Besonders in südfranzösischen Syrah-Weinen bin ich des öfteren auf Brett gestoßen und viele dieser Weine habe ich durchaus mit Genuss getrunken, da sich der dezente Einfluss des Hefepilzes gut in das Gesamtwerk integrierte. Meine Frau empfand diese Weine oft als untrinkbar.

Den Anlass für diesen Artikel gab ein Wein, den wir gestern Abend im Glas hatten. Der 2007er Le Mas der Domaine Clavel kommt in der Nase mit schwarzen Johannisbeeren, Leder und Kräuterbitter noch relativ angenehm daher. Ab dem ersten Schluck ändert sich dieser Eindruck allerdings grundlegend: Die Aromen mutieren zu einer schwer animalischen, an Kaninchenstall erinnernden Note, die sich im ganzen Maul ausbreitet und sich im Abgang sogar noch verstärkt. Diese Geschmacksdominanz zerstört jeden Ansatz von Eleganz im Wein und ruiniert sämtlichen Trinkspass - sogar bei mir.
Wer sein Wissen über die Brettanomyces-Hefe vertiefen möchte, kann es an dieser fachkundigen Stelle tun.




24. August 2009 um 13:20
Ich fühle mit Deiner Frau. Ich will auch die Rebsorte schmecken und riechen. Auf Aromatik nach Schreinerei bzw. animalische Pferdeschweißgeruchsnoten kann ich gut verzichten.
Viele Grüße von der Mosel