Die Sauvignon Blanc - Renaissance
Sauvignon Blanc liegt seit wenigen Jahren voll im Trend und die Rebflächen verzeichnen vor allem in den süddeutschen Anbaugebieten starken Zuwachs. Es handelt es sich um eine regelrechte Renaissance des Sauvignon Blanc in Deutschland, denn die Rebsorte wurde unter dem deutschen Synonym Muscat-Sylvaner schon vor mehreren hundert Jahren hier angebaut, im südbadischen Pfaffenweiler nachweislich seit 1692.
Bis zum dritten Reich war der Muscat-Sylvaner in vielen Regionen Badens im Anbau. Da Muscat-Sylvaner die bedeutendste Weißweinsorte Frankreichs war, verboten die Nationalsozialisten den Anbau in Deutschland mit der irrwitzigen Begründung, es handele sich um „Feindeswein”. So hatte der Sauvignon Blanc nach dem 2. Weltkrieg hierzulande keine Bedeutung mehr. Seit der Markt- und Konsumentenübersättigung mit Chardonnay ist die Rebsorte nun seit geraumer Zeit Trendweißwein Nummer 1 und die Anbauflächen wuchsen besonders in Baden deutlich.

Seit 1692 Sauvignon Blanc im Anbau: Pfaffenweiler im Schneckental.
In Pfaffenweiler erinnerte man sich bereits Anfang der 90er Jahre wieder an diese Rebsorte, kaufte Rebsetzlinge aus dem Loiretal und pflanzte diese auf den Rebflächen der örtlichen Genossenschaft an. Mittlerweile sind ganze 10 Hektar rund um Pfaffenweiler mit Sauvignon Blanc bestockt. Das Pfaffenweiler Weinhaus zählt in Baden zu den Topadressen unter den Genossenschaften. Das Angebot bei Sauvignon Blanc reicht vom einfachen Qualitätswein über Sekt und Eiswein bis zum Premiumwein Sancta Clara, der bei Wettbewerben und Verkostungen regelmäßig Top-Platzierungen erreicht.

Zwischen großer Oper und Punkrock: Der Sancta Clara Sauvignon Blanc
Ich verkoste den 2008er Sauvignon Blanc Spätlese Sancta Clara, der für rund 8 Euro im Handel erhältlich ist. Als erstes fällt mir der Flaschenverschluss unangenehm auf. Ein Kunststoffpfropfen wirkt einfach billig bei einem Spitzengewächs und ist so sinnlich wie eine aufblasbare Gummipuppe. Bei schlichten, jung zu trinkenden Weinen habe ich gegen die Dinger ja nichts einzuwenden, obwohl ich die eleganten Longcap-Drehverschlüsse eindeutig präferiere.
Zum Flascheninhaltinhalt: Im Glas zeigt sich der Sancta Clara mit sichtbarer Kohlensäure und in sattem Goldgelb - eine erstaunlich reife Farbe für einen so jungen Wein. In der Nase offenbart sich eine echte Wuchtbrumme. Reife Papaya, grüne Paprika, Butter, Gras … im Mund sehr breit und komplex, mit viel Extrakt, vollem Körper und beeindruckend opulentem Abgang. Die sehr expressive und süße Frucht wird von der kräftigen Säure nur mit Mühe gebändigt. Das wirkt wie ein Dirigent, der kurz davor steht, sich den einengenden Frack vom Körper zu reissen, um sich als wilder Rock´n Roller zu outen. So schwebt der 2008er Sancta Clara Sauvignon Blanc irgendwo zwischen großer Oper und Punkrock. Passende Speise: In Honig, Limonensaft, Olivenöl, Chili und Zitronenmelisse mariniertes Huhn vom Grill. Passender Song: Sid Vicious - My Way.




16. August 2009 um 21:20
Bravo Lars,
gut recherchiert und beeindruckende Verkostungsnotiz für die Pfaffenweiler Variante.
Endlich mal einer, der die Renaissance des Sauvignon blanc mit dem deutschen Namen Muscat-Sylvaner nennt.
Willis Wein Idee
16. September 2009 um 21:42
[...] Willis Wein Idee und Schreiberswein hat das Projekt begonnen, den Sauvignon – Blanc mit dem einheimischen Begriff „Muskat [...]