Lang lebe der Mittelstand!
Welche Rotweine bieten die beste Preis-Leistungs-Relation, hinterlassen den Genießer glücklich und zufrieden? Nein, es sind sicher nicht die unlängst viel diskutierten Rotweine unter fünf Euro. Da gibt es trinkbare Alltagsweine, die im Ansatz Freude bereiten, okay. Aber sind das Tropfen, die man behutsam im Keller einlagert, jede Flasche mit Andacht und nur an besonderen Abenden öffnet und an die man sich auch noch in drei Jahren erinnert? Sicher nicht. “Mittelstandsweine” sind für mich Rotweine zwischen 7.- und 15.- Euro, die intensiv gepflegte und ertragsreduzierte Reben in guten Lagen, gesundes und ausgereiftes Traubengut, sorgfältige Handlese und eine behutsame Behandlung und Reife im Keller in der Flasche vereinen. Sicher gibt es auch in dieser Kategorie Licht und Schatten, aber wer suchet, der findet.

Der 2005er Vinsobres “Les Cornuds” vom Chateau Beaucastel-Ableger Perrin & Fils ist so ein Wein. Die Trauben stammen aus dem südlichen Rhonetal und zu 65 % von Syrah- und 35 % von Grenachereben. Im Handel kostet der Vinsobres um die zehn Euro. Schon die Nase ist sehr vielversprechend. Absolut kein Fruchtblender, sondern feine Eleganz. Dezente Aromen von schwarzer Johannisbeere, Kirsche und Granatapfel. Kühle Stilistik. Seidige Tannine und präsente Säure. Perfekt eingebundenes Holz, das von der sensiblen Hand des Kellermeisters zeugt. Ein Cotes du Rhone mit Klasse, an dem sich einige, wesentlich teurere Weine der Appellation Châteauneuf-du-Pape erst messen müssen.
Zwischen Discount-Wein (Unterschicht) und Prestige-Gewächs (Oberschicht) liegt die spannende Welt der Mittelschichtsweine, die nur einen geringen Prozentsatz des Absatzmarktes in Deutschland ausmachen und doch das Rückrat der ambitionierten Weingüter bilden. Angesichts düsterer Wolken am Konjunkturhimmel bleibt zu hoffen, dass der Mittelstand diese Zeiten gesund und munter übersteht.




27. Januar 2009 um 10:40
Gerade in der Appellation Côtes du Rhône bekommt man viel Wein für sein Geld, finde ich immer wieder.
10. Februar 2009 um 11:22
Wenn er mit Châteauneuf-du-Pape mithalten kann, muss ich den unbedingt probieren. Nächstes Wochenende ist in Strassburg Weinmesse, mal sehen, ob Perrin & Fils auch dort ist. Ich bin’s jedenfalls.