Weinrallye #17: Aufbruchstimmung in Zypern
Meine Suche nach Weinen aus den neuen EU-Ländern führte mich ausgerechnet in ein Land, das allen Versuchungen hartnäckig widersteht, in die EU aufgenommen zu werden: die Schweiz. In Basel besuchte ich einen absoluten Spezialisten für Weine aus Zypern, den Weinhändler Berhard Furler von Paphos-Weine. Furler ist profunder Kenner des Weinbaus auf der zweigeteilten Insel, die jetzt zumindest formell eine geeinte Republik ist. Zu allen Winzern aus seinem Programm hält er engen Kontakt, die Insel bereist er schon seit 20 Jahren. Dass die Schweiz innerhalb der EU selber so etwas wie eine Insel ist, bedauert der sympathische Versandhändler, da er nur Eidgenossen beliefern kann - eine Lieferung ins EU-Ausland ist zu aufwendig und kostspielig. So schmuggele ich also als Reporter ohne Grenzen einen Karton Wein über den Rhein.

Reben auf 1200m Höhe im Distrikt Paphos (Foto: B. Furler / Paphos-Weine)
Mit 6000 Jahren Weinbaugeschichte gehört Zypern zu den ältesten Weinländern der Erde. Knapp 16.000 Hektar Land sind mit Reben bestockt, zum großen Teil im zentral gelegenen Troodos-Gebirge und bis auf eine Höhe von 1.500 Meter über dem Meer. Somit sind einige der Rebberge auf Zypern die am höchsten gelegenen Weingärten in Europa. Der Vorteil für den Weinbau auf dieser Höhe sind die kühlen Temperaturen bei Nacht und ein langer Vegetationszyklus. Die Reblaus konnte nicht auf die Insel vordringen, so sind die Reben “wurzelecht” im Kalk- oder Vulkangesteinsboden verwachsen und keine Pfropfreben, wie im großen Rest Europas üblich und notwendig. Auf eine Bewässerung und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel kann aufgrund der klimatischen Bedingungen weitgehend verzichtet werden.

Alte Rebstöcke, tief verwurzelt im Kalkgestein (Foto: B. Furler / Paphos-Weine)
Bis vor etwa 30 Jahren wurden überwiegend anspruchslose Tischweine und billiger “Ersatz-Sherry” für den englischen Markt produziert. Seit einigen Jahren ist der Weinbau auf Zypern in einer dynamischen Aufbruchsstimmung. Eine neue Generation engagierter Winzer, Önologen und Quereinsteiger, von denen viele im Ausland studiert und gelernt haben, setzen auf elegante Terroir-Weine mit eigenständigem Charakter. Innovative, kleine Familienbetriebe sorgen dafür, das Zypern derzeit eine der spannendsten Weinquellen für Neuentdeckungen ist.
Der weiße Xynisteri und die roten Mavro und Maratheftiko sind die autochthonen Gewächse der Insel, Weine und Cuvées aus weltweit verbreiteten Rebsorten wie Syrah, Cabernet Sauvignon, Mourvèdre, Chardonnay und sogar Riesling errangen auf internationalen Verkostungen schon einige Achtungserfolge. Zu einem 3-Gänge-Menü probiere ich mit großer Neugier die Weine aus den autochthonen Sorten, der Verkostung von Cabernet & Co. werde ich mich in den nächsten Wochen widmen und meine Notizen hier im Blog mit einem zweiten Teil fortsetzen.

Xynisteri und Fischsuppe: Ein harmonisches Paar
Den Anfang macht der 2007er Petritis der Kyperounda Winery aus 100% Xynisteri, von dem eine kleine Teilmenge im Barrique ausgebaut wurde. Er begleitet eine mediterrane Fischsuppe mit Seefisch, Meeresfrüchten, Fenchel und feingewürfeltem Wurzelgemüse. Ein durchaus gelungene Kombination, wie sich herausstellt. Der Wein lässt sich vom Charakter zwischen Grünem Veltliner und Weißburgunder einordnen. In der Nase Apfel und erntefrische Walnuss, im Mund frisch und harmonisch, dichter und seidiger Körper, im Abgang mit “Pfefferl” und guter Länge. Das Barrique streift das Geschmacksbild nur in weiter Ferne und trägt sicher ein kleines Stück zum runden Gesamtwerk bei. Die Aromen von Wein und Suppe spielen miteinander, bilden ein prächtig zueinander passendes Paar. Ein gelungener Auftakt!
Der 2005er Vamvakada von Costas Tsiakkas aus 100% Maratheftiko mit 6 Monaten Barrique-Reife begleitet geschmorte Lammhaxen mit Bohnen und Reis. Beim ersten Hineinriechen ins Glas habe ich sofort die Assoziation von Früchten aus dem Rumtopf, verbunden mit einer leicht erdigen Note. Der Vamvakada schimmert in dunklem Rubinrot und zeigt sich beim Schwenken fast schon dickflüssig im Glas. Im Mund reife Zwetschgen, Kirschen und Holunder, mit schöner Länge. Die Tannine sind süß und kräftig, bei ordentlichem Säurespiel, das neue Holz ist gekonnt eingebunden. Eine echte Granate, und dass bei nur 12,5 % Alkoholvolumen! Wo gibt es so etwas noch? Eher selten. Den Charakter des Maratheftiko würde ich zwischen Cabernet Sauvignon und Sangiovese einordnen. Zu den geschmorten Lammhaxen ist der 2005er Vamvakada die absolut korrekte Wahl, die kräftigen Aromen verlangen nach einem kräftigem Wein und korrespondieren prächtig miteinander.

Gruppenbild mit zypriotischen Spitzen-Crus und Commandaria
Zum guten Schluss gibt es Schokoladenkuchen, dazu den berühmten Süßwein der Insel, einen Commandaria, von dem auch ein Glaserl im Kuchenteig landet. Der Commandaria von KEO wird aus roten Mavro und weißen Xynisteri-Trauben gekeltert, die nach der Ernte in der Sonne trocknen. Die Gärung stoppt auf Grund des extrem hohen Zuckergehalts in den Beeren bei etwa 10% Alkoholvolumen, anschließend wird der Grundwein mit Branntwein auf 15 % Alkoholgehalt gepusht. In Eichenfässern reifen die Weine nun mindestens zwei Jahre lang in der Großkellerei, die auch Bier und Mineralwasser produziert.
Im Glas zeigt sich der Commandaria rostbraun mit bronzenen Reflexen. In der Nase Rosinen, Datteln, Rooibos-Tee. Im Mund ist dieser Süßwein ein feuriger Gigant. Äußerst dichter Körper, die opulente, süße Frucht steht wunderbar komplementär mit der deutlichen Holznote. Präsente Säure, die den Wein lebendig hält und ein nicht enden wollender Nachhall bei leichtem Brennen im Hals. Den feinen Schokoladenkuchen erschlägt der Wein allerdings, da fehlt so etwas wie eine kräftige Pflaumenmusfüllung, um es mit dem Commandaria aufzunehmen. Zu salzigem Roquefort kann ich mir diesen zypriotischen Süßwein bestens vorstellen, am ehesten flackert aber ein Kaminfeuer vor meinen Augen, vor dem der Ausklang des Tages zelebriert wird. Ein echter Meditationswein, da kann ich der Beschreibung von Weinhändler Bernhard Furler nur zustimmen.
Fazit: Alle drei Weine zeigen mir, dass sich die Begegnung mit Weinen aus Zypern lohnt. Zyperns Winzer verstehen ihr Handwerk und werden sicher in Zukunft noch deutliche Ausrufezeichen setzen. Auf weitere Entdeckungen bin ich sehr gespannt.




11. Dezember 2008 um 10:27
Dank Deines schönen Beitrags, der Lust auf zypriotischen Inselwein machte, habe ich Deine Bezugsadresse bei Paphos ausprobiert - gestern kam dann auch mein 6er Testpaket schon an. Die Eu-Konnektion funktioniert: zypriotischer Wein aus der Schweiz über Deutschland nach Frankreich und nach konspirativer Übernahme auf dem Dorfplatz von Olargues schließlich in Lisson!
Drei davon hast Du ja hier schon vorgestellt, also habe ich schon eine Anregung, wozu ich sie probieren kann, die anderen werde ich dann selbständig entdecken - erst müssen sie ja mal im Keller ausruhen.
Dann gehe ich mal auf die Suche nach einem guten Roquefort für den Commandaria - mangels Kaminfeuer:-).
11. Dezember 2008 um 11:49
Mach doch ein schönes Adventsfeuer in den Reben
Den Commandaria habe ich noch nicht ausgetrunken, im Kühlschrank bleibt der anscheinend mehrere Woche ohne Probleme trinkbar (letzter Test vor 5 Tagen :-)) Liebe Grüße!
11. Dezember 2008 um 15:29
Na, das ist doch dann ein guter Kandidat für die übernächste Weinrallye!
2. Januar 2009 um 12:24
[...] Commandaria St. John mit Chocolate Extra-Fino a la Flor de Sal, eine Koproduktion von Sal de Ibiza und der Goldhelm [...]