Der unbekannte Winzer Volker Schlöndorff
Noch einmal Literatur. Momentan bin ich mitten in die Seiten von Volker Schlöndorffs Biographie Licht, Schatten und Bewegung vertieft. Als Fan vieler seiner Filme und allzeit Studierender in Sachen jüngerer deutscher Geschichte ist das Buch für mich eine hoch spannende Lektüre. Schlöndorff erzählt lebhaft und mit beeindruckend ehrlicher Selbstreflexion vom Aufwachsen in der Nachkriegszeit, seinem Leben und Lernen in Frankreich und natürlich von der Aufbruchsstimmung des “Neuen Deutschen Films”, der “Papas Kino” ablöste. Neu ist mir allerdings, dass sich Schlöndorff auch als Winzer eifrig engagierte.

In der Toskana bestellte er in den 1970er-Jahren einen Weinberg und war Mitglied im örtlichen Winzerverein. Folgende, wunderbar kuriose Geschichte erlaube ich mir hier mit Schlöndorffs Worten zu zitieren:
“Am 12. August 1975, noch vor dem Start des Films (Die verlorene Ehre der Katharina Blum), bekamen wir Besuch von der Polizei. In der Morgendämmerung gegen fünf wurde unser Haus in der Toskana von sechzig schwerbewaffneten, in ihren schusssicheren Westen schwitzenden Männern der Antiterrorbrigade aus Turin umstellt. Es war eine Szene wie aus einem italienischen Mafiafilm. Eine Lautsprecherstimme weckte uns in deutscher Sprache: -Leisten Sie keinen Widerstand! Kommen Sie sofort heraus! Mit erhobenen Händen wurden wir an die Wand gestellt, zwei Frauen, drei Kinder und ich. Kurz darauf landete der General im Hubschrauber auf dem frisch angelegten Weinberg. Das ging mir zu weit, und ich wollte ungeachtet der Scharfschützen dagegen einschreiten. Die zarten Reben, die wir im April gepflanzt hatten, waren mir wichtiger als dieser Zirkus. Ich wurde unsanft zurückgehalten, der Einsatzleiter legte mir einen richterlichen Befehl zur Hausdurchsuchung vor, ein Südtiroler Beamter übersetzte. Angeblich hatte man angenommen, Renato Curzio von den `brigate rosse´ habe sich im Haus versteckt.
(…) Gott sei Dank waren es Italiener, die irgendwann einsahen, dass sie sich getäuscht hatten. Nun stapelten sie Gartenstühle und Tische zu Hindernissen auf, über die sie zum Ergötzen der Kinder ihre Schäferhunde springen ließen. Einige hatten im Keller Flaschen unseres Weins entdeckt und nahmen einen kräftigen Schluck, den sie angeekelt wieder ausspuckten. Sie waren wohl nicht vom Lande und wussten nicht, dass man den abgefüllten Wein mit einer dünnen Schicht Leinöl luftdicht verschloss. Dieser erste Schluck wurde den Göttern geopfert, wie es bei den alten Griechen hieß, das heißt, man schüttete ihn ab.”
Licht, Schatten und Bewegung - Volker Schlöndorff. Carl Hanser Verlag



