Weinrallye: Ein Gewürztraminer-Duett
Mein “Must taste - Wein unter 10 Euro” ist ein Gewürztraminer, denn ich bin seit meiner Lehrzeit ein bißchen verliebt in die Rebsorte und finde sie führt ihr Nischendasein zu Unrecht. Der Gewürztraminer ist als Rebe eine empfindliche Diva und bringt sehr jahrgangsgeprägte Weine hervor. Auch das mag ich sehr, als Winzer und Weintrinker. So stelle ich hier also 2 Gewürztraminer der gleichen Lage aus 2 sehr unterschiedlichen Jahrgängen vor. Im Jahr 2003 war ich beim Weingut Zähringer noch persönlich mit der Pflege der Reben und der Weiterverarbeitung im Keller befasst. Der Gewürztraminer war einer großen Gewinner des heißen Jahres, die Aromatik der Trauben in Auslesequalität war bei der Lese phänomenal ausgeprägt. Der Gärprozeß des sonst im Weingut traditionell trocken ausgebauten Gewürztraminers stoppte bei 9 Gramm Restzucker/Liter, der Alkoholgehalt von 15 % hatte den Hefen den Garaus gemacht. Die Tankprobe war vielversprechend. Wie hat sich dieser Wein nun in den letzten 4 Jahren entwickelt?

Ein ungleiches Paar aus den aromatischen Trauben der “Diva” Gewürztraminer
Sattes Goldgelb im Glas. Der Rosenduft ist sehr in den Hintergrund getreten, statt dessen nehme ich deutlich Blütenhonig, Litschi und überreife Birne in der Nase wahr. Im Mund wieder Litschi- und Birnenaromen, sehr dezente Süße bei angenehmer Säure. Der hohe Alkoholgehalt macht sich durch ein leichtes Kratzen und Brennen im Hals bemerkbar.
Jetzt zum 2006-er Gewürztraminer Kabinett (€ 9,40), der eindeutig durch den kühlen und feuchten Spätsommer dieses schwierigen Jahres geprägt ist: Hellgelb im Glas, leicht hefige Note, Quitte mit einem Anklang von Rosenblüten. Ein ganz zurückhaltender Vertreter seiner Sorte, fast schon untypisch, aber mit ungemein frischer Säure und feiner Länge. Sehr rund und saftig mit hohem Trinkspaßfaktor.
Meine Lieblingsspeisen zu Gewürztraminern kommen eindeutig aus der asiatischen oder euro-asiatischen Küche. Eine Hokkaido-Kürbissuppe mit Apfel und Curry zum Beispiel. Die gehört im Herbst zu meinem Pflicht-Küchen-Repertoire. Zusammen mit dem 2003-er Gewürztraminer eine unschlagbare Kombination, das Zusammenspiel der Aromen führt zu wahren Höhenflügen auf Zunge und Gaumen. Zum 2006-er sollten es da eher zurückhaltend gewürzte Speisen oder einfach ein Stück Bergkäse sein.




29. Dezember 2009 um 23:35
Also ich weiß ja nicht….ein guter Gewürztraminer ist schnell erschlagen. Für mich kein Wein zum Essen…
*HAGT*
McFire