Der Stein im Wein
Beim Öffnen einer Flasche Sauvignon Blanc trocken, Jahrgang 2005, vom Pfälzer VDP-Betrieb Knipser aus Laumersheim fiel mir gestern Abend gleich ein Funkeln und Glitzern am “nassen” Ende des Naturkorkens ins Auge.

Weinstein! Und tatsächlich, am Flaschenboden entdeckte ich eine stattliche Ansammlung von Weinsteinkristallen. Im Fachjargon auch Kaliumhydrogentartrat genannt, ist der Weinstein eine Verbindung aus Kalium und Weinsäure, zwei von etwa 1000 natürlichen Inhaltsstoffen in Weintrauben. Weinstein ist kein Zeichen für die besondere Qualität eines Weins, spricht aber in der Regel für eher extraktreiche, spät gelesene Weine.
Da wohl mancher Weinkonsument an einen Weinfehler dachte beim Auftauchen der Kristalle im Glas ist Weinstein heutzutage nun fast schon vom Aussterben bedroht. Der Großteil des momentan auf dem Markt erhältlichen Weines wird vor der Abfüllung “weinsteinstabilisiert”, in der Regel durch Kältebehandlung und Zugabe von Kontaktweinstein. Mit dieser Methode wird die Weinsteinbildung gezielt angeregt und der Wein anschließend vorsichtig von den am Tankboden ausgefällten Kristallen abgezogen (Als wertvoller Grundstoff für Backtriebmittel wird der Weinstein aus Tanks und Fässern in größeren Weingütern und Kellereien gesammelt und verkauft). Eine weitere Möglichkeit ist der Zusatz von Meta-Weinsäure, die eine Bildung von Weinsteinkristallen verhindert. Die Wirkung ist allerdings auf 9-12 Monate begrenzt, aus diesem Grund wird diese Methode fast ausschließlich für schnell zu konsumierende, einfache Weine eingesetzt.

Im Rotwein sicher nicht ganz so hübsch, aber auch dort kein Fehler
Für mich gehört Weinstein zum natürlichen Charakterbild eines Weins, somit schätze ich auch den Anblick der Kristalle in der Flasche sehr.
Die Verkostungsnotiz zum Sauvignon Blanc darf hier auch nicht fehlen: Helles Strohgelb im Glas, in der Nase dezente Anklänge von Kiwi und Papaya. Sehr breit im Mund mit schöner Länge, Aromatik von reifer Mango mit leichter Fruchtsüße, knackige Säure. Auch ein Kandidat für die warmen Tage. Der Laumersheimer ist mit 12,5% Alkoholvolumen zwar kein Leichtgewicht, wirkt aber in der Gesamtkomposition sehr erfrischend.



